[Dorama] Byakkotai

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Byakkotai“ – dieses Wort ist mir in den letzten Wochen öfters begegnet. Einerseits im Japanischunterricht, als wir die Präfektur Fukushima behandelt haben, andererseits immer wieder, als ich mich mit japanischen Schauspielern beschäftigt habe – alle haben in dem Dorama „Byakkotai“ mitgespielt, welches am 6. und 7. Januar 2007 in zwei Teilen in Japan ausgestrahlt wurde. Es gibt auch noch eine Version von 1986, aber ich habe mich doch dazu entschieden, die neuere zu gucken – da kenne ich wenigstens ein paar Schauspieler.

Byakkotai“ (白虎隊), was auf Deutsch etwa „Die Weiße Tigertruppe“ bedeutet, das waren 340 Jungen zwischen 16 und 17 Jahren, die für den Krieg um Aizu im Schwertkampf und Schießen ausgebildet wurden und 1868 in den Boshin-Krieg zogen. Es wurden viele getötet und nur wenige konnten in das Schloss zurückkehren. Am Bekanntesten sind wohl die 19 Jungen, die in den Bergen von Iimoriyama den traditionellen Selbstmord, Seppuku, begangen, nachdem sie von dort das in Rauch gehüllte Schloss gesehen hatten, und dachten, dass es in Flammen steht.

Zum Dorama. (Achtung Spoiler!!)

Es beginnt mit Shintaro Sakai, einem aufmüppfigen Jugendlichen, der Besuch von seiner Großmutter erhält. Diese ist sogleich entsetzt von seinem Verhalten, denn das gehört sich nicht für einen Nachfahren der Byakkotai. Zusammen mit seinem Freund, Yusuke Shinoda, der ebenfalls ein Nachfahre der Byakkotai ist, beschließt er vor der strengen Großmutter zu fliehen, da sie die Geschichten aus der damaligen Zeit nicht mehr hören können. Mit dem Gedanken, dass die Großmutter sie niemals dort vermuten würde, flüchten sie nach Aizu, wo Shintaros Großvater sie aufnimmt, sie aber auch zu einem Besuch im Byakkotai-Gedächtnismuseum (白虎隊記念館) anregt. Dort finden sie Bilder von zwei der Jungen vor – Mineji Sakai und Gisaburo Shinoda -, die ihnen sehr ähnlich sehen, und schlüpfen damit zurück in das 19. Jahrhundert.

Dort wird die Geschichte von Mineji Sakai, Gisaburo Shinoda, Matahachi Itou und anderen Jungen im zarten Alter von 15 bis 17 Jahren erzählt, die ihre Kriegsausbildung im Nisshinkan machen.

Mineji Sakai ist der Hauptdarsteller im Film. Er wohnt mit seinen Eltern, seiner Großmutter und seinem älteren Bruder zusammen. Sowohl sein Bruder als auch seine Mutter leiden an einer Krankheit und sind sehr schwach. Nachdem sein Vater bereits in den Krieg gezogen ist, ist nun er der Einzige seiner Familie der für Aizu kämpfen kann. Seine Mutter ist sehr kalt zu ihm, denn sie ist der festen Überzeugung, dass er nur aufrichtig kämpfen und dann einen ehrenvollen Tod sterben kann, wenn er keine Gefühle für seine schwache Mutter hat. Trotz alledem liebt sie ihn sehr, tut aber ihr Bestes dies zu verbergen. Zudem rügt sie ihn immer, wenn er Fehler begeht. Dies war vor allem in der Szene im Wald ersichtlich, wo Mineji seiner Mutter das hübsche Herbstlaub zeigen möchte und sie in den Wald trägt. Als sie jedoch erfährt, dass er dafür die Schule schwänzt, schickt sie ihn erbost zurück.

Der Unterricht in der Schule ist sehr streng. Doch es kommen immer wieder Szenen, in denen man merkt, dass es sich hier noch um Kinder handelt, die Späße machen und den Ernst der Lage nicht verstehen.

Mineji, Gisaburo und Matahachi sind eigentlich noch zu jung dafür, aber sie wollen den Umgang mit der Freuerwaffe lernen um Aizu besser verteidigen zu können. Ihr Lehrer erlaubt ihnen, an Extrastunden in seinem Haus teilzunehmen. Zu allem Erstaunen finden die drei Jungen dort Frauen vor, die ebenfalls ihre Kampf- und Schießkünste trainieren. Eine Regel verbietet es den Jungen in der Öffentlichkeit mit Frauen zu sprechen, was zu kleinen Schwierigkeiten führt, als die Frauen den Jungen das Schließen beibringt. Und vorallem als Gisaburo anfängt sich zu verlieben…

Die historischen Hintergründe werden auch sehr gut erzählt. Da ich aber nicht wirklich viel Ahnung von Geschichte habe und mir das mit den ganzen Klans, die erst gegeneinander kämpfen und sich dann wieder verbünden und so weiter, einfach zu viel ist, lasse ich jetzt mal die Ausschweifungen diesbezüglich weg. Zumindest sind wir Ende des ersten Teils soweit, dass die feindlichen Klans in das Schloss von Aizu einfallen und die Macht an sich reißen wollen.

Kommen wir zu Teil zwei, der mich emotional auf eine Bestandsprobe gestellt hat – ich habe ja schon in der Vorschau gesehen, dass es ziemlich hart wird, aber beim Ansehen habe ich so viel geweint, wie lange nicht mehr bei einem Film. Also nichts für schwache Nerven – zumindest sollte man sich eine Packung Taschentücher breit legen (^_~)

Die Aizu-Kämpfer sind an den Grenzen der Region stationiert und nur eine kleine Truppe und die Byakkotai sind noch in der Umgebung des Schlosses. Es wird nun die Entscheidung getroffen, auch die Byakkotai an die Front zu schicken, auch wenn sie noch so jung sind. Die Jungen im Nisshinkan freuen sich, dass sie endlich in den Krieg ziehen können – das, worauf sie lange hintrainiert haben.

Die Abschiedsszenen von den Familien sind sehr traurig. Mich hat vor allem schockiert, dass alle Mütter ihren Söhnen sagten, dass sie ehrwürdig sterben und keine Schande über den Familiennamen bringen sollen. Lediglich Gisaburos Mutter, die eh etwas ganz besonderes ist, sagt ihrem Sohn, dass sie auf seine Rückkehr warten wird und seine geliebten Dango für ihn bereit hält.

So ziehen nun die jungen Krieger in den Kampf, im strömenden Regen und ohne Essen kämpfen sie sich mutig durch. Die Gruppe wird irgendwann getrennt – genau wie unsere drei Hauptdarsteller. Mineji und Matahachi ziehen in der einen Gruppe gemeinsam weiter, Gisaburo mit der anderen.

Der Führer von Gisaburos Truppe trennt sich von ihnen um Essen zu suchen – und kehrt nicht wieder zurück. Nun sind die Jungen auf sich allein gestellt. Sie entscheiden sich zurück zum Schloss zu gehen, doch das erweist sich als schwierig, denn sie werden immer wieder angegriffen. Als sie nach langem endlich vom Berg Iimoriyama auf die Stadt hinunter sehen, können sie nur Rauch erkennen. Sie gehen davon aus, dass das Schloss brennt und alles zu spät ist – was jedoch nicht der Fall war. Gemeinsam entscheiden sie sich für den traditionellen Selbstmord…

 

Der angeschossene Mineji verliert währendessen den Anschluss an seine Truppe und bleibt allein im Wald zurück. Nachdem er völlig die Orientierung verloren hat, entscheidet auch er sich, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er entschuldigt sich bei seiner Familie dafür, dass er nichts ausrichten konnte und ist dabei sich den Todesstoß zu setzen – aber sein Hund Kuma hält ihn glücklicherweise auf.

Kuma leitet ihm nun den Weg – und beide treffen auf den verletzten Matahachi. Beide retten sich zu einem Bauernhaus und kommen dort langsam wieder zu kräften. Verkleidet als Bauern kehren beide wieder in das Schloss zurück. Der verzweifelte Kampf hält an – bis der Herrscher endlich bemerkt, was er anrichtet und kapituliert.

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Byakkotai“ ist mein erster richtiger japanischer Historienfilm, den ich gesehen habe („Fuurin Kazan“ zähle ich mal nicht mit, da habe ich eh relativ früh aufgegeben). Eigentlich stehe ich nicht wirklich auf Kriegsgeschichten, aber da mich das Thema in letzter Zeit irgendwie beschäftigt hat, fand ich es sehr interessant. Ich finde, dass der Film wirklich toll gemacht ist, mit tollen Schauspielern und tollen Bildern. Man kann sich wirklich gut in das alte Japan versetzen. Vor allem lernt man auch sehr viel über die Verhältnisse und Traditionen zu jener Zeit. Das die Jungen nicht mit den Frauen reden durften, hat mich doch ziemlich überrascht.

Allem in allem, kann ich diesen Film nur allen empfehlen, die sich etwas für die Geschichte Japans interessieren. Hier kann man wirklich so einiges lernen.

Die einzige Frage, die mich bezüglich des Films noch etwas stört: wie kann der moderne Yusuke Shinoda ein Nachfahre von Gisaburo sein, wenn dieser und sein Bruder doch beide in dem Krieg gestorben sind. Muss dann wohl irgendwo noch ein Abzweig mit drin hängen…

Der Film hat mich nun dazu gebracht, dass Aizu-Wakamatsu und Iimoriyama auf meiner Liste von Orten steht, die ich einmal besuchen möchte. Ich möchte gern die Gräber der 19 Byakkotai besuchen, die Seppuku begangen haben, ich möchte mir das Museum ansehen und die Statuen, die dort stehen. Ich hoffe, dass diese Reise irgendwann möglich ist.

Mineji Sakai und sein Hund Kuma, der ihn vor dem Freitod gerettet hat.

 

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