[Liebesleben] Unsere deutsch-japanische Hochzeit

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Oder: Deutsche Dorfhochzeit mit einem Japaner

Am 16. Juli 2016 haben mein Mann und ich geheiratet. Nun ist bereits ein Monat vergangen und ich möchte euch von unserem wunderbaren Hochzeitstag berichten.

Mein Wecker klingelte gegen 7:30 Uhr. Beide waren wir noch ziemlich k.o., da wir den vergangenen Tag damit verbracht hatten die Festhalle zu schmücken, Kuchen zu schneiden und so weiter. Zudem konnten wir beide in der Nacht nicht schlafen. Wir lagen wach und versuchten irgendwie zur Ruhe zu kommen, aber es klappte einfach nicht. Aber zumindest erging es uns beiden so. Am Ende hatte ich zumindest etwa drei Stunden geschlafen.

Nachdem ich aus meinem Bett gerollt war, zog ich mir schnell irgendwas Weites über und zeigte meinem Liebsten, was er dann alleine in der Küche frühstücken sollte. Ich ging nach unten, denn um 8 Uhr wollte unsere Friseurin bei uns zuhause ankommen. Während an meinen Haaren herum gebastelt wurde, stieg so langsam meine Aufregung. In wenigen Stunden werden wir heiraten! War in den letzten Wochen kaum etwas von Aufregung zu spüren, wurde es jetzt in den letzten Stunden um so schlimmer. Oh mein Gott!

Als meine Haare fertig waren, kam ich wieder nach oben zu meinem Fast-Mann. Er hatte bereits seine Sachen angezogen und sah ziemlich cool aus. Männer in Anzügen haben einfach was. Ich zog mir mein Kleid über und präsentierte mich zum ersten Mal meinem Liebsten und ihm hat es sichtlich gefallen. Dann verbrachte ich noch eine ganze Weile im Bad um mir Make-Up ins Gesicht zu schmieren.

Kurz bevor wir abgeholt wurden, waren wir fertig. Und als unser Chauffeur mit seiner Frau kamen – die sehr gute Freunde der Familie sind – kamen bei mir schon die ersten Tränchen. Hach~ das kann ja noch was werden.

Hochzeit

Auf dem Weg zum Standesamt.

Auf dem Standesamt

Die Trauung war für 11 Uhr geplant, aber wir mussten etwas eher beim Standesamt sein, da mein zukünftiger Mann noch ein paar Dokumente unterschreiben musste und auch noch Absprachen mit unserer Dolmetscherin (was eine liebe japanische Freundin von mir übernommen hat) stattfinden sollte. So sind wir zu viert erst einmal in das Büro unseres Standesbeamten gegangen – und dort hat es gedauert. Ich hatte nach einer Weile gar nicht mehr richtig zugehört, weil die Kommunikation eh mehr zwischen meinem Mann, der Dolmetscherin und dem Beamten. Ich habe mich dann mehr damit befasst, den wartenden Gästen per Handy zu schreiben, dass es noch etwas dauert.

Als wir dann endlich nach draußen kamen, warteten schon alle auf uns und gemeinsam ging es dann ins Trauhaus. Wir beide sollten noch etwas unten warten, während die Gäste sich oben platzierten. Dann durften wir mit einer guten halben Stunde Verspätung nach oben – und ich bin ehrlich – ich erinnere mich an nicht mehr viel, was der Standesbeamte zu uns gesprochen hat. Die Hälfte der Zeit war ich damit beschäftigt meine Tränen zu unterdrücken. Nur ein Satz ist in meinen Gedanken hängen geblieben: „Wir sind ein gutes Beispiel und Vorbild dafür, das Liebe keine Grenzen und Nationalitäten kennt.“

Es kam das Ja-Wort, es wurden die Ringe ausgetauscht, es wurde sich geküsst. Der Standesbeamte redete weiter, unsere Dolmetscherin übersetze weiter. Dann durften wir unsere Unterschriften ableisten, die Urkunden wurden überreicht und es war geschafft. Nun waren wir Mann und Frau. Und ich hatte nun neben einem neuen Familienstand auch noch einen neuen Nachnamen.

Nach den vielen Glückwünschen wurden die Gäste nach draußen geschickt. Wir sollten das Standesamt durch einen anderen Ausgang verlassen, denn man geht nun einen neuen Weg und den Weg nicht zurück. Als ich die Tür nach außen öffnete wurden wir von Blütenregen und Blitzlichtgewitter empfangen und ich hatte ehrlich keine Ahnung was ich zuerst machen sollte. Nach unzähligen Fotos schritten wir aus dem Hof des Rathauses heraus zur Straße, wo noch mehr Leute auf uns warteten um uns zu gratulieren.

Traditionell hieß es nun Sägen! Gemeinsam mussten wir einen Baumstamm zersägen und beweisen, dass wir gut zusammen arbeiten können. Ich hatte es mir übrigens schwieriger vorgestellt. Schließlich hatte ich noch nie eine Säge in der Hand. Aber wir haben es dann doch recht schnell geschafft.

Hochzeit

Mit ganz viel Hupen und in langer Autokolone ging es dann zum Mittagessen. Allerdings konnten wir es wenig genießen. Nachdem das Essen serviert wurde, hatten wir noch knappe 15 Minuten, bis wir zum Fotoshooting gefahren werden mussten. So gab es für mich schnell Schnitzel und Kroketten. Auf Toilette gab es erst einmal einen Reisregen als ich mein Kleid anhob. Der Reis sollte mich dann noch den ganzen Tag begleiten.

Fotos in der Ruine

Für das Fotoshooting hatten wir uns die Klosterruine ausgesucht, die keine fünf Minuten entfernt lag. Super Lage und tolle Location. Auch unsere Fotografen waren ein Traum – sehr lustig und super sympathisch. Sogar meinem Mann hatte es Spaß gemacht. Und sehr schöne Fotos sind in dem einstündigen Shooting auch noch rausgekommen. Hier noch einmal einen großen Dank an Ed’snaps Photography. Kann ich nur weiter empfehlen.

Kaffee trinken

Zurück vom Fotos machen waren an der Festhalle schon die nächsten Gäste eingetroffen, die zum Kaffee geladen waren. Endlich konnten wir auch unsere Hochzeitstorte sehen, die meine Freundin Evolana für uns gemacht hatte. Ein Traum! Mit Rilakkuma-Brautpaar! Und super lecker! Dazu gab es für die Gäste auch noch Rilakkuma-Pralinen. Vielen lieben Dank! ♥

Zu Beginn der Kaffeerunde kam natürlich das spannende Tortenanschneiden. Mein Mann wusste nicht so wirklich, was er machen sollte und nachdem ich die Vorarbeit geleistet hatte, ging das Schneiden los. Und ja, er hatte die Hände oben. Was bei den Gästen ein heiteres Gelächter auslöste. Unsere Dolmetscherin musste meinem Mann dann erst einmal erklären warum. Da war er richtig überrascht.

Nach dem Kaffee kam etwas Ruhe auf. Mit meinen Freundinnen saßen wir draußen in der Sonne und genossen das Wetter. Wir hatten wirklich Glück damit. Den Tag davor sowie den Tag danach war das Wetter nicht so besonders, zu unserer Hochzeit war es quasi perfekt. Nicht zu warm, nicht zu kalt, kein Regen. Passt!

Ehrenpforte und Polterzeit

In dem kleinen Dörfchen, in dem ich wohne, ist es Tradition, dass die Junggesellen des Dorfes für das Brautpaar eine Ehrenpforte vor das Haus bauen. Die ledigen Frauen binden eine Kranz und eine Girlande. Auf die Girlande haben wir verzichtet, dafür gab es einen wunderschönen Kranz.

So sind wir dann gegen Abend zu unserem Haus gelaufen, wo die jungen Männer schon fleißig an der Arbeit waren (die Vorbereitungen liefen schon ein paar Tage). So standen wir dann alle dort und sahen zu, wie das Gebilde fertig gestellt wurde.

Nachdem uns die Ehrenpforte und die Girlande übergeben wurden, ging es los mit Poltern. Das Porzellan klirrte und auch hier musste meinem Mann erst die Tradition erklärt werden, warum hier die Leute ihre Teller und Tassen zerschmissen. Das schlimmste daran war nur, dass wir das wieder aufräumen mussten. Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis wir das ganze Geschirr und Reißig zusammen gekehrt und auf den Hänger geladen hatten. Wir kamen beide ziemlich ins Schwitzen. Und alle sahen uns zu und fotografierten uns dabei.

Der Abend

Im Anschluss ging es zurück zur Festhalle, wo schon die nächsten Gäste eingetroffen waren. Darunter auch ein Teil meiner Arbeitskollegen, was mich sehr gefreut hat. Später eröffneten wir das Buffet und alle waren sehr erstaunt, als mein Mann von seinem Zettel zwei deutsche Sätze ablas und sich damit bedankte. Er spricht ja kein Deutsch und so war es eine große Überraschung.

Das Essen war lecker und es haben alle fleißig gegessen. Mein Mann und ich haben allerdings nicht so viel verdrücken können, wie wir eigentlich wollten. Irgendwie war es doch alles anstrengend – obwohl wunderschön – und wir hatten keinen richtigen Appetit.

Ich hatte von vorn herein gewünscht, dass wir keine dummen Hochzeitsspiele machen, da a) ich sowas hasse und b) ich das meinem Mann nicht antun wollte. Nachdem ich dann meinte, dass die, die das machen wollen, es meinem Mann auf Englisch erklären müssen – und ja fast keine Englisch spricht – blieben wir auch soweit verschont. Nur ein großes Herz mussten wir aus einem Bettlacken ausschneiden. Was auch recht gut ging. Allerdings habe ich mein Mann dann verschont mich dadurch zu tragen – ich wiege schließlich 30 Kilo mehr als er (*heul*). Wir sind dann gemeinsam durchgestiegen.

Irgendwann hieß es dann Eröffnungstanz. Ich hatte noch nie mit meinem Mann getanzt. Einen kleinen Versuch hatten wir während der PokemonGo-Runde draußen gestartet, was recht chaotisch war. Aber anders war das auch nicht zu erwarten. Zum Glück hatten sich noch ein paar Pärchen bereit erklärt mitzutanzen. So war zwar trotzdem die ganze Aufmerksamkeit dabei auf uns, aber uns fiel es nicht so sehr auf. Irgendwie haben wir uns dann durchgekämpft. Und Spaß gemacht hat es auch irgendwie.

Es war ein langer Abend. Mit vielen lieben Gästen, netten Gesprächen und einiges an Alkohol. Für uns endete er gegen 2:30 Uhr, als wir uns auf den Weg nach Hause machten. Dort brauchte ich erst einmal eine Weile meine Haare zu entfitzen, was mir allerdings nicht wirklich gelang. Aber egal, wir wollten beide einfach nur noch schlafen.

Hochzeitir werden diesen Tag nie vergessen. Schließlich war es unser großer Tag. Und er war im Großen und Ganzen einfach nur perfekt. Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können.

Vielen lieben Dank an alle, die da waren und vor allem an die, die uns so tatkräftig unterstützt haben. Ohne euch hätten wir das alles nie so auf die Beine stellen können – vor allem nicht in der so kurzen Zeit, die uns zwischen Verlobung und Hochzeit blieb. Das werde ich euch nie vergessen. Ich habe euch alle so lieb ♥


Dank für die große Resonanz zu meinem letzten Artikel zur Hochzeit. Wenn das auch hier so weiter geht versuche ich – wenn ich es zeitlich auf die Reihe kriege – in den nächsten Monaten immer wieder am 16. des Monats einen Artikel zum Thema Heiraten zu veröffentlichen. Was haltet ihr davon?

Weiter geht es dann mit „Unser Hochzeit – die Details“. Mehr zum Kleid, Ehering, der Dekoration, den Geschenken & Co. Das würde den eh schon gesprengten Rahmen dieses Artikels nämlich sonst nur noch mehr sprengen xD

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28 Kommentare

  1. Deborah Herzog

    Ich warte schon auf Teil zwei! xD

    Aber ich muss gestehen… Ich weiß nicht warum es lustig war das dein Ehemann beim Kuchen schneiden dir Hände oben hatte xD bitte erklären! Danke 😀

  2. Michi Witt

    Ich habe doch jetzt schon eine Seile abonniert und lese mir gerne deine Beiträge durch. Und so die Hochzeit und dieser Beitrag hat mich realisieren lassen, wie schnell doch die Zeit vergeht und wie sehr alles im Wandel inbegriffen ist 🙂 schöner Eintrag übrigens ^^

  3. Gina Richard

    Es ist einfach so wunderschön zu lesen ♥ Ich stelle mir nebenbei alles bildlich vor.. Ich hoffe ihr 2 werdet zusammen alt und ein glückliches Leben führen!! ♥ Ich bleibe in der Hoffnung, dass ich später auch einen Japaner heiraten kann*^*

  4. Ist es nicht normal das beim Anschneiden der Torte der Mann die Hand oben hat?

    Oder war das jetzt nur witzig weil du den stärkeren Charachter hast ? 🙂
    Weil du schon in einem anderen Kommentar erwähnt hast wer die Hosen an hat.

    Naja jedenfalls sehr sehr schöner Beitrag, kommt mir vor wie die Traumhochzeit 🙂
    Alles so schön, hatte kurzzeitig vom lesen Gänsehaut

    • Inzwischen achten viele Paar beim Torteanschneiden darauf, dass keiner die Hand oben hat – also beide gleichberechtig schneiden. Da mein Mann diesen Brauch ja nicht kannte, war es um so witziger, als er plötzlich oben drauf gefasst hat xD Und ja, ich glaube vom Charakter her bin ich die stärkere *hust*
      Es war wirklich ein wunderschöner Tag ♥

  5. So ein schöner Artikel!
    Und du warst also die Braut, für die Evo die Torte gemacht hat! 😀 Ganz lustig, weil ich deine Blog heute über ganz andere Wege entdecke und Evo schon länger kenne. xD
    Ich wünsche euch auch über ein Jahr später noch alles Glück der Welt. <3

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