[Fünf Tage JR-Pass] Tag 1 – Yahiko in Niigata

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Ende Oktober war ich fünf Tage mit dem Japan Rail Pass in Japan unterwegs. Natürlich gibt es zu jedem Tag einen Bericht (und bald auch ein Video). Heute starte ich mit Tag 1 – ein Tagesausflug in die Präfektur Niigata, genauer gesagt nach Yahiko!

Yahiko (弥彦) ist nicht vielen ein Begriff. Selbst mein Mann hatte davon noch nie gehört. Ich bin auch nur durch Zufall darauf gestoßen, da ich ein schönes Herbstbild im Internet gesehen hatte. Und da ich noch einen Tag auf meinem JR-Pass frei hatte (für vier Tage standen die Ziele schon fest), entschloss ich mich – nachdem ich mir die restliche Gegend dort im Internet angesehen hatte, dorthin zu fahren.

Dienstag früh habe ich zusammen mit meinem Mann das Haus verlassen – er ist auf Arbeit gefahren und ich habe mich in die überfüllten Bahnen Richtung Tokyo Hauptbahnhof gequetscht. Ich wusste noch nicht, welchen Zug ich nehme, habe es aber dann doch in den Shinkansen Max Toki 305 geschafft, der 7:48 Uhr Tokyo verlässt. So kam ich nach einer entspannten Zugfahrt um 9:45 Uhr in Tsubamesanjo an.

Von dort für 20 Minuten später eine kleine regionale Bahn zu meinem Ziel Yahiko, hindurch durch enge Orte, wo teilweise wirklich das eine Gleis lag. An einer Station stieg eine Kindergartengruppe in den Zug ein und ich war erstmal das Highlight. Die meisten hatten wohl noch nie (oder recht selten) einen Ausländer gesehen und so waren die Kinder ziemlich aufgeregt. Eine Kleine zeigte immer wieder auf mich und sagte etwas zu ihrer Erzieherin. Der war das megapeinlich, aber ich lächelte einfach zurück. Süß waren sie ja schon alle mit ihren Mützen.

Tsubamesanjo Station

Angekommen in Yahiko wurde erst einmal der Bahnhof bestaunt, der 1917 gebaut wurde und einem Schrein nachempfunden ist. Auf jeden Fall ein Blickfang. Innen gibt es einen kleinen Kiosk und einen Warteraum. Zudem ist derzeit dort eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Bahnhofes.

Ich hatte ich mich schon während der Fahrt entschieden meine eigentliche Route etwas umzuwerfen, da am Nachmittag Regen aufziehen sollte und ich vom Berg noch einen schönen Blick haben wollte. Noch war es ja ziemlich sonnig. So machte ich mich direkt vom Bahnhof auf den Weg zum Yahiko Schrein und zur Seilbahnstation. Da ich den Weg zur Seilbahn nicht gleich fand, schaute ich mich erst etwas am Schrein um.

Der Yahiko Schrein (弥彦神社) wird zurück auf das 8. Jahrhundert datiert und hatte für die Gegend viel Bedeutung. Die Legenden sagen, dass der Gott Ameno-Kaguyama-no-Mikoto (天香山命) den Menschen dort gezeigt hat, wie sie aus Meerwasser Salz gewinnen. Heute gilt er als führender Shinto-Schrein für die Präfektur Niigata. Die aktuellen Gebäude stammen von 1916, nachdem ein Feuer 1912 einen großen Teil verstört hatte. Das große Torii des Schreins befindet sich übrigens schon eine Bahnstation vorher in Yahagi. Es ist 30 Meter hoch und vom Zug aus zu sehen.

Am Schrein waren alle damit beschäftigt Vorbereitungen für das im November stattfindende Chrysanthemen-Festival zu treffen. Später war ich dann noch beim Rehgehege, welches ebenfalls zum Schrein gehört. Und ich muss sagen – die Toiletten dort waren super modern.

Nachdem ich endlich den Weg zur Seilbahn gefunden hatte, machte ich mich auf den Weg bergauf dorthin. Nicht wissend, dass vom Schrein zur Station auch ein kostenloser Shuttlebus fährt, dem ich auch ein paar Mal begegnet bin. Natürlich gibt es auch einen Wanderberg den 634 Meter hohen Yahiko-Berg hinauf, aber da bevorzuge ich dann doch den einfachen Weg.

Die Fahrt mit der Yahiko Ropeway kostet ¥ 1400 für den Roundtrip und man hat eine tolle Aussicht auf die Berge und das im Tal liegende Dorf. Die ersten roten Blätter waren auch schon zu sehen. Für die tolle Herbstfärbung war ich mit meinem JR-Pass doch eine paar Tage zu früh dran.

Auf dem Berg befindet sich die Seilbahnstation, ein Observatorium mit Restaurant sowie der Panorama Tower. Letzterer bewegt sich auf uns ab und dreht sich währenddessen, so hat man einen 360°-Ausblick, kostet allerdings ¥ 650. Man kann auch auf das japanische Meer sehen, sowie auf die Sado Inseln (auch noch ein Ausflugsziel?). Der Blick ist wirklich wunderschön!

Und er hatte mich so in seinen Bann gezogen, dass ich, als ich weiter laufen wollte, über einen Holzblock stolperte und mit Kamera und Videocam in den Händen nach vorne über stürzte. Ich kniete erstmal am Boden und versuchte zu realisieren, was gerade passiert war. Eine Traube Japaner hatte sich schon um mich versammelt und fragte, ob ich ok bin. Ich sagte ja, doch dann fasste ich an meine Stirn – und meine Hand war voller Blut. Scheiße! Mir wurde aufgeholfen, ich wurde zu einer Bank gebracht und ich spürte die Erleichterung bei der netten Japanerin, die sich hauptsächlich um mich kümmerte, als sie merkte, dass ich Japanisch spreche. Es wurden Taschentücher, Feuchttücher und Pflaster für mich gespendet und die gute Frau versuchte meine Wunde zu reinigen und klebte sie zu. Es sei wohl 2 bis 3 Zentimeter groß. Da mir nicht schwindlig war und der Schmerz wohl vom Schock noch verdrängt wurde, bedankte ich mich noch hundert Mal bei meiner Helferin und verschwand auf der Station-Toilette, wo ich meine Hände wusch und das Pflaster im Spiegel begutachtete. Was ein Start in meine Reise…

Ich ging ins Restaurant, um mich dort erstmal auszuruhen. Vorgenommen hatte ich mir ja eh dort zu essen. Ich gönnte mir das Tree Parfait, angelehnt an den Tokyo Skytree, der genau wie der Berg Yahiko 634 Meter hoch ist. Früher sollte der auch mal genau ¥ 634 gekostet haben, allerdings musste ich ¥ 650 dafür bezahlen. Lecker war er auf jeden Fall und ich habe mir viel Zeit mit Essen gelassen. So langsam kamen auch leichte Kopfschmerzen durch und ich merkte, dass ich an meinem Bein doch einen stärkeren Kratzer hatte.

Yahiko

Mit der Ropeway ging es zurück nach unten und da es angefangen hatte mit regnen nahm ich auch den Bus bis zum Schrein. Nachdem ich noch etwas auf dem Schreingelände gestöbert hatte, ging es die Hauptstraße entlang Richtung Yahiko Park. Zwischendurch wurde aber ein bisschen Mitbringsel gekauft. In einem Laden fand ich Edamame Udon (枝豆うどん), die ich als Edamame- und Udon-Liebhaber mitnehmen musste. Weiter unten in einem Laden nahm ich eine Packung Onsen Manjuu (温泉まんじゅう) mit, die ich meinem Mann versprochen hatte. Am liebsten hätte ich auch eines der Onsen besucht, aber dafür hatte ich ja a) keine Zeit und b) mit meiner offenen Stelle am Bein wäre es zur Tortur geworden, wie ich die nächsten Tage beim Duschen merkte. Für meinen Curry-Liebenden Mann gab es auch noch eine Packung Curry Mame (カレー豆), also Bohnen mit Currygeschmack, und damit war mein Rucksack gut gefüllt.

Ein langer mit Bäumen und Laternen gesäumter Weg sowie ein Tunnel führten zum Yahiko Park (弥彦公園). Dort war es sehr ruhig und ich war lange ziemlich allein dort, was ich sehr genoss. Irgendwann fand ich auch die rote Brücke, die mich aufgrund des Fotos hierher geführt hatte. Leider nicht so schön vom Herbstlaub umgeben wie auf dem Foto, aber trotzdem ein toller Anblick. In einem Pavillon nahm ich Platz, ruhte mich aus – in meinem Kopf wummerte es inzwischen doch ein wenig – und entspannte mit den Geräuschen des Regens in der Natur.

Ich checkte den Zugplan und überlegt, was ich machen soll. Eigentlich wollte ich noch zum Yu Schrein (湯神社), aber das war noch ein Stück zu laufen. All zu fit war ich allerdings nicht, der Regen nervte auch etwas und so entschloss ich mich doch lieber den nächsten Zug zu schnappen, denn ich brauchte doch ein paar Stunden zurück nach Hause. Im Shinkansen konnte ich gut schlafen und ich fühlte mich bei meiner Ankunft in Tokyo gegen 18 Uhr schon besser.

yahiko028

Bin ich nicht hübsch xD‘ Unterwegs in Yahiko.

Am Ende war es aber eine gute Entscheidung, den nächstmöglichen Zug zu nehmen. Meinem Mann hatte ich von meinem kleinen Unfall geschrieben. Dieser hatte daraufhin früher Feierabend gemacht und darauf bestanden zusammen zum Krankenhaus zu fahren. Für mich total übertrieben, schließlich war es – zumindest für mich – nur was kleines Offenes an der Augenbraue. Mir war nicht schlecht, mir war nicht schwindlig. Um 21 Uhr waren wir dann trotzdem in der Notaufnahme, mussten aber zum Glück nicht die angekündigten zwei-drei Stunden warten. Meine Wunde wurde gereinigt, ich wurde nochmal ausgefragt wie ich mich fühle. Es war wohl doch etwas größer, musste aber nicht genäht werden. Mit Tape wurde geklebt und ein frisches Pflaster drauf gemacht – für die nächsten 5 Tage. Es wird allerdings wahrscheinlich eine Narbe zurück bleiben, meinte der Arzt. So werde ich mich wohl ewig an die schöne Aussicht erinnern.

Gegen halb 12 waren wir zuhause. Totmüde, leicht hungrig. Wir duschten fix. Ich warf die Sachen für den nächsten Tag in meinen Rucksack und war froh am nächsten Morgen auf der Fahrt in die Präfektur Shiga noch etwas schlafen zu können.

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