[Fünf Tage JR-Pass] Tag 2 – Hikone, Nagahama und Chikubushima

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Nachdem mich der erste Tag mit dem Japan Rail Pass etwas in den Norden Japans führte, sollte es am zweiten eher Richtung Westen gehen: in die Präfektur Shiga an den Biwa-See. Diese gehört wie Niigata zu den Präfekturen, die ich noch nicht besucht hatte und war somit perfekt für meinen geplanten Tagesausflug.

Mit dem Tokaido-Shinkansen dauert die Fahrt von Shin-Yokohama nach Maibara knapp zwei Stunden. Von dort aus ging es mit dem Zug zuerst in das nur wenig entfernt liegende Hikone. Als Fan japanischer Burgen wollte ich dort schon länger hin und so war diese in Hikone auch mein Hauptziel. In der Touristeninformation holte ich mir noch eine Karte und wurde zudem auf sehr gutem Englisch beraten. Leider hatte ich zu wenig Zeit für Hikone eingeplant, um all die Empfehlungen zu besuchen. Ein Grund nochmal wieder zu kommen.

Zu Fuß machte ich mich auf dem Weg zur Burg, blieb aber unterwegs am Shiga-ken Gokoku Schrein (滋賀縣護國神社) hängen, wo ich mich ein wenig umsah. Der Schrein datiert zurück in das Jahr 1876, gedenkt 34.750 Kriegstoten und betet für ewigen Frieden und die Sicherheit Japans.

Hikone

Die Burg Hikone (彦根城) erreicht man über Burggräben und durch Burgmauern. Vor dem Haupteingangstor gibt es noch eine weitere Touristeninformation sowie das Hikone Castle Museum. Mit den Arbeiten an der Burg wurde im Jahr 1603 begonnen, aber erst knapp 20 Jahre später, im Jahr 1622, wurde sie fertig gestellt. Sie ist eine der ältesten im Originalzustand erhaltenen Burgen des Landes und wurde 1952 zum Nationalschatz Japans ernannt.

Am Eingang sah ich schon eine Informationstafel, um welche Zeiten das Maskottchen Hikonyan vor Ort sein sollte – und ich hatte Glück! Nachdem ich endlich die ganzen Stufen erklommen und über eine beeindruckende Holzbrücke in das Innere gelangte, war Hikonyan gerade da. Umgeben von zwei Gruppen japanischer Kindergartenkinder, die gerade einen Ausflug zur Burg machten. Hikonyan tanzte eine halbe Stunde herum, war aber durch eine Absperrung von den Leuten getrennt.

Bevor die Kindergruppen sich in das Hauptgebäude aufmachten, beeilte ich mich, was eine gute Idee war. So hatte ich nur Rentnergruppen vor mir und die Kinder später hinter mir. In der Burg konnte man die Architektur begutachten, extra Ausstellungsstücke gab es nicht – dafür ist dann das Museum. Am interessantesten waren für mich allerdings die Treppen, die arg steil waren und mir ein wenig Angst machten – mehr auf dem Runter- als auf dem Hochweg. Dafür gab es von oben eine tolle Aussicht auf Hikone sowie den Biwa-See.

Aufgrund meines Zeitdrucks ging es auf der Rückseite wieder bergab, was aufgrund des feuchten Weges nicht so schnell funktionierte, wie ich eigentlich wollte. Da ich am Tag zuvor ja schon gestürzt bin, war ich diesmal etwas vorsichtiger. Nächstes Ziel war der Genkyuen Garden (玄宮園), der im Eintrittspreis bei der Burg gleich enthalten war. Ein japanischer Landschaftsgarten, der 1677 entstand. Wirklich sehr schön mit einem großen Teich in der Mitte, vielen Brücken und natürlich viel Grün. Auch die Burg kann man von dort sehr gut sehen. Sogar ein Brautpaar machte dort gerade in Kimono gekleidet ihre Hochzeitsbilder.

Der Weg zurück zum Bahnhof führte entlang des Burggrabens. Gesäumt von Kirschbäumen, an denen sich teilweise ein paar Blüten verirrt hatten. Ende Oktober. Im Frühling muss es hier sehr schön sein. Eigentlich wollte ich noch zur Yume Kyobashi Castle Road (夢京橋キャッスルロード), die mir auch von der Touristinformation empfohlen wurde, allerdings war mein Zeitplan schon recht knapp und ich beeilte mich zum nächsten Zug zu kommen.

Eingedeckt mit Sandwiches und Onigiri vom Kombini ging es weiter nach Nagahama. Auch hier wollte ich die Burg besuchen und den Hafen als Ausgangspunkt für eine Fahrt mit dem Schiff nutzen. Zeitlich hat leider gar nichts mehr hingehauen. Ich beeilte mich auf dem Weg vom Bahnhof zum Hafen um die Fähre um 12:45 Uhr noch zu erwischen, was natürlich nicht klappte, weil ich noch ein Stück falsch gelaufen bin. So holte ich mir zumindest das Ticket für 14:00 Uhr. Zurück zur Burg, ansehen und wieder hierher laufen, war mir in einer knappen Stunde, die ich noch hatte, zu knapp. So ruhte mich eine Weile aus.

Mit der Fähre ging es dann 30 Minuten zur Insel Chikubushima (竹生島). Dort hatte ich 80 Minuten Zeit bevor die letzte Fähre wieder zurück fuhr. Chikubushima ist die zweitgrößte Insel des Biwa-See, hat allerdings gerade mal 2 Kilometer Küstenlinie und ist 0,14 m² groß. Sie spielt eine Rolle in einigen japanischen Werken. Hauptsächlich findet man dort Tempel und Schreine.

Nach Verlassen des Schiffes gibt es ein paar Verkaufshäuschen mit Essen und Souvenirs. Dann muss man 400 Yen Eintritt bezahlen, bevor es „Treppauf!“ heißt. Für jemanden wie mich, der Treppen hasst, natürlich perfekt. Aber da musste ich jetzt durch. Die Gebäude waren alle sehr beeindruckend. Die Haupthalle des Hogonji stammt aus dem Jahr 724 und wurde 1942 wieder auferbaut. Die dreistöckige Pagode wurde 1487 gebaut, aber natürlich auch restauriert. Es gibt eine Treasure Hall, die kostet allerding noch einmal extra Eintritt.

In manchen Gebäuden war der Zutritt leider verboten. An der Kannon Hall fanden gerade Bauarbeiten statt, weshalb sie von außen eingehüllt war. Man konnte aber trotzdem hindurch laufen, was wiederrum interessant war. Wann sieht man schon mal einen Schrein als Baustelle? Von dort kommt man zum Tsukubu Suma Schrein, der zum japanischen Nationalschatz gehört.

Der beste Blickfang auf der Insel ist wohl das Torii an der Klippe. Dort gilt die Legende, dass man, auf zwei Teller einmal seinen Namen und einmal seinen Wunsch schreibt und diesen dann durch das Tor wirft. Dann geht der Wunsch in Erfüllung. Dementsprechende sieht es dort auch aus.

Ich machte mich zurück zum kleinen Hafen. Die meisten Geschäfte hatten schon angefangen aufzuräumen und zu schließen, denn die Leute, die dort arbeiteten sind auch nach und nach mit den Fähren von der Insel verschwunden. Kleines Highlight: eine ausländische Familie war ebenfalls auf der Insel mit einem etwa 8~10-jährigen Jungen. Sie kauften an einem Häuschen etwas zu essen. Als die Oma vom Stand dann zum Abschied aus etwas Entfernung winkte und „Byebye!“ rief, drehte sich der Junge um, rannte zurück und umarmte sie. So schön~

Bereits auf der Insel fing es an zu regnen. Auf der Fähre nahm der Regen nochmal zu, wurde dann aber wieder weniger. Zumindest das hatte ich zeitlich gut abgepasst. Wir kamen gegen 16:15 Uhr wieder am Hafen an. Ich beeilte mich, um noch schnell zur Burg Nagahama zu gehen, wo der letzte Einlass 16:30 Uhr war. Das schaffte ich gerade so.

Die eigentliche Burg Nagahama (長浜城) wurde um 1577 gebaut. Es gab einen stetigen Wechsel an Herrschern über die Burg, bis sie 1615 wieder abgebaut wurde und ein Teil der Konstruktionen zur Burg Hikone gebracht wurden. Heutzutage ist das Areal der Burg ein Park. Das Hauptgebäude, welches die Burg repräsentiert, wurde 1983 erbaut. Innen befindet sich ein sehr modern wirkendes Museum auf zwei Etagen über die Geschichte von Nagahama. In der 4. Etage gibt es einen Teeraum, der allerdings nur selten geöffnet ist. Auch hier hat man von ganz oben einen guten Blick auf den Biwa-See, über den Park sowie in die Stadt selbst.

Es wurde nun allmählich dunkel und für mich Zeit zur Heimreise. Mit dem Zug ging es zurück nach Maibara, wo ich noch ein wenig Zeit bis zum nächsten Shinkansen hatte. Die Gelegenheit etwas nach Souvenirs zu stöbern und Essen für die Fahrt zu kaufen. Gegen 20 Uhr war ich wieder in Shin-Yokohama, eine dreiviertel Stunde später in unserer Wohnung. Tasche packen für die nächsten zwei Tage, duschen, schlafen, Energie für die nächste Reise sammeln.


Mein Tag in bewegten Bildern? Hier findet ihr mein Video zur Reise in die Präfektur Shiga (^_^)


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