[Japanisch Lernen] Den JLPT in Japan schreiben

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Am Sonntag war es soweit – wie üblich fand am ersten Sonntag im Dezember zum zweiten Mal im Jahr die Japanisch-Prüfung JLPT statt. Zum Japanese-Language Proficiency Test (日本語能力試験) hatte ich mich im September angemeldet, um meine fehlende Motivation zum Lernen herauszulocken. Das hatte zwar nur halb geklappt, aber wie und mit was ich gelernt habe, wird noch einen anderen Beitrag füllen. In diesem Beitrag geht es um den Ablauf der Prüfung in Japan.

Vor guten drei Wochen flatterte eine Art Postkarte bei meinen Schwiegereltern ein, die an mich adressiert war. Da wir zur Anmeldung vor drei Monaten noch nicht wussten, wo wir dann wohnen, haben wir diese Adresse gewählt. Mein Mann holte sie am Wochenende darauf ab und nun hatte ich es schwarz-orange auf weiß: am 4. Dezember 2016 bin ich zum JLPT im Level N4 eingeschrieben. Nun erfuhr ich auch endlich, wo ich hin musste: zur Senshu University, Ikuta Campus. Wo auch immer das ist. Google Maps sagte mir dann, dass die Zugfahrt etwa 30 Minuten dauert. Auf der Karte stand zudem noch, dass es vom Bahnhof Mukougaoka-Yuen noch 15 Minuten zu Fuß zur Uni sind. Ok, akzeptiert. Hätte nach unserem Umzug schlimmer kommen können.

JLPT - Japanese-Language Proficiency Test

Ich finde es ja niedlich, dass alles in Hiragana gehalten ist ♥

So machten mein Mann und ich uns am Sonntag gegen 10:30 Uhr auf den Weg und wollten mit dem Bus nach Hashimoto fahren – er zum Einkaufen, ich auf dem Weg zum JLPT. Der Bus um 10:40 Uhr kam aber nicht. Aus dem einfachen Grund, dass ich auf den falschen Plan geschaut hatte und um diese Zeit kein Bus bei uns fährt. Fängt ja super an der Tag… Glücklicherweise fuhr aber kurz später der Bus nach Sagamihara, dann nehmen wir halt den. Bei mir war es egal an welchem der beiden Bahnhöfe ich losfahre. Mein Mann musste extra blechen.

Ab 12:00 Uhr waren die Zimmer für die Prüfung geöffnet, 12:30 Uhr ging es los. Ich kam 11:34 Uhr am Bahnhof an – und mein Handy sagte anstatt der 15 Minuten, die auf meiner Karte standen, dass ich 22 Minuten brauche. Das wird etwas knapp. Aber egal, der Bahnhof war voll mit Ausländern mit orangen Karten in der Hand, die mussten ja auch alle dahin. Über diesen Zustand war ich dann auch froh, so brauchte ich nur dem Strom hinterherlaufen.

Im Konbini wollte ich mir noch schnell etwas zu essen holen, schließlich sollte der Test bis 16:20 Uhr gehen und da wäre was zu essen für Zwischendurch nicht schlecht. Aus schnell wurde aber nichts, da sich alle das selbe dachten. So stand im Konbini eine riesige Schlange und die Sandwiches, die ich eigentlich wollte, waren auch alle. Dann gab es eben Onigiri. Beim Anstehen kam doch noch was Süßes dazu.

Wie befürchtet lag die Uni auf einem Berg. Ich war fertig als ich ankam, total verschwitzt und wahrscheinlich auch knallrot im Gesicht. Super Voraussetzungen für einen Test. Meine Angst vor Uni-Geländen wurde dadurch gelindert, dass überall Menschen standen, die einem mit dem Weg halfen. Ich finde mich schon in Unis in Deutschland nicht zurecht – ganz einfach weil ich nie Student war und mir der Aufbau dieser Gelände ein Rätsel bleibt. Ein netter Mann schickte dann die N3- und N4-Schreiber zum 4-Goukan und die anderen zu einem anderen Gebäude. Am Eingang hing ein Plakat, wo nochmal dran stand, wer in welcher Etage in welchem Raum schreibt. An der Tür vor meinem Testraum hing dann ein Plakat, wo drauf stand, welche Nummer wo zu sitzen hat. Die Nummern waren ebenfalls auf die Tische geklebt.

JLPT - Japanese-Language Proficiency Test

Der Raum war schon gut gefüllt und so fand ich meinen leeren Platz recht schnell. Insgesamt schrieben allein in meinem Raum etwa 140 Leute den Test. Ich saß 12:15 Uhr auf meinem Platz, noch 15 Minuten um Durchzuatmen und mich vom Weg zu erholen. Wiederholt Ansagen, was wir zu tun und zu lassen haben. Es wurde von den vier Helfern mehrfach kontrolliert, ob nur die erlaubten Sachen auf dem Tisch liegen: ein Bleistift, ein Radiergummi und eine Armbanduhr. Von Radiergummis musste die Hülle abgemacht werden, könnte ja was drauf stehen. Trinken und Essen war im Raum verboten. Nichtmal Kaugummi kauen oder Bonbon lutschen während der Prüfung war erlaubt. Wer den Raum während der Prüfung verlässt, ist durchgefallen. Die Handys mussten aus sein. Das stand zwar alles schon auf unserer Karte, wurde uns in den nächsten Stunden aber noch gefühlte 100 Mal gesagt.

Es war 12:30 Uhr, es ging los. Zumindest fast. Erst nochmal eine Unterweisung, was wir nicht machen dürfen – wofür es eine gelbe Karte (Verwarnung) und rote Karte (sofortiges Testende) gab. Bei der Anweisung, dass unsere ausgeschalteten Handys in die auf den Tisch liegende Plastikfolie und darin in unsere Tasche muss, wurde es dann laut. Alle hatten ihre Handys ja schon gut in den Taschen verstaut. Dann wurden die Antwortbögen ausgeteilt. Dann in der nächsten Runde die Aufgabenbögen. Dann machten die Helfer noch eine Runde Gesichtskontrolle, damit auch wirklich die Person da saß, die sich angemeldet hat. Die Prozedur dauerte eine Viertelstunde und mit drei Minuten Verspätung starteten wir dann endlich den 30-minütigen Kanji-&-Vokabel-Test. 

Mit einem lauten 時間です! (Es ist Zeit!) mussten wir die Stift dann fallen lassen. Erneut Hinweise, dass wir nichts mehr schreiben dürfen. Die Antwortbögen wurde eingesammelt, die Aufgabenbögen wurden eingesammelt. Hinweise, dass wir die Handys in der Pause anmachen dürfen, dass wir pünktlich zurück sein müssen usw. Das dauerte auch nochmal 10 Minuten, bis wir endlich aus dem Zimmer durften. Ich musste auf Toilette, wie alle anderen auch. So stand ich da auch nochmal 10 Minuten an – dann auch noch eine japanische Hochtoilette – aber da musste ich jetzt durch. Zuerst hatte ich die 30 Minuten Pause zwischen den Tests für lang gehalten, doch von der Pause blieb nicht viel übrig. Ich hatte gerade auf einem Platz im Gang in mein Onigiri gebissen, ist auch schon ein Helfer durch den Gang gelaufen und hat gesagt, dass wir langsam wieder in unsere Räume sollen. Fix das Onigiri in mich rein gestopft, zwei Schluck getrunken und zurück in den warmen stickigen Raum.

Es folgte die gleiche 15-minütige Leier mit allen möglichen Hinweisen, Antwortbögen austeilen, Aufgabenbögen austeilen, Gesichtskontrolle. Dann 60 Minuten Grammatik-&-Leseverständnis-Test. Wie in der vorherigen Runde war ich nach der knappen Hälfte der Zeit mit den Fragen durch und hatte nochmal genug Zeit um alles durchzugehen. Manchmal ist das gut, manchmal nicht. Ich tendiere oft mich beim zweiten Nachdenken von der richtigen zur falschen Antwort leiten zu lassen. Nach 50 Minuten haben ich mich dann aber doch gelangweilt – die Textaufgaben hatte ich nun auch schon 5 mal gelesen und alle Ovale 10 mal übermalt.

Ovale? Der JLPT ist wie viele andere Tests in Japan ein Multiple-Choice-Test, bei dem man auf dem Antwortbogen ovale Kreise ausmalen muss. Diese werden dann mit einem Computer ausgewertet. Deshalb zweifeln auch einige an der Aussagekraft des JLPT – man muss hier nämlich nicht selbstständig schreiben oder gar sprechen können.

JLPT - Japanese-Language Proficiency Test

Ein erneutes  時間です! (Es ist Zeit!) und die Stifte wurden niedergelegt. Erneut 10 Minuten zum Einsammeln. Diesmal waren die Toiletten nicht so überfüllt und ich futterte in der Pause eine halbe Packung Pocky bevor es zurück in den noch stickigeren Raum ging. Mir war unbegreiflich, dass die meisten Testschreiber noch immer ihre Jacken anhalten.

Zum dritten Mal spielte die Hauptverantwortliche ihre Schallplatte an Hinweisen ab und ich war kurz davor einzuschlafen. Bei dem fehlenden Sauerstoff im Raum auch kein Wunder. Es wurde eine Akustikprobe für den Hörverständnis-Test gemacht und auch hier ging es nach der 15-minütigen Leier los. Da mit Ende der Höraufgaben auch  時間です! (Es ist Zeit!) war, musste ich mich zumindest da dann nicht nochmal langweilen. Es dauerte nochmal 10 Minuten, bis alles eingesammelt war. Dann wurden noch einmal 5 Minuten lang Hinweise zum Test gegeben und dann durften wir endlich gehen. Die Masse strömte wieder den Berg hinab zum Bahnhof.

Die Ergebnisse werde Anfang Februar rausgeschickt. Online gibt es sie wohl schon ein paar Tage vorher. Jetzt heißt es also warten. Ob ich den JLPT N4 bestanden habe, kann ich nicht einschätzen. In den Übungstests bin ich immer gerade so durch gekommen. Das wird hier wahrscheinlich ähnlich knapp ausfallen. All zu schwierig fand ich den Test so nicht und er war definitiv machbar, wenn man sich gut darauf vorbereitet hat *hust* Bei einigen habe ich zwischen zwei Antworten geschwankt und ich habe ein Talent dafür mich bei sowas falsch zu entscheiden. Aber malen wir den Teufel jetzt noch nicht an die Wand – das kann ich dann in zwei Monaten machen, wenn die Ergebnisse da sind 😉


Ich frage mich, ob sie in Deutschland auch so streng – und nervig mit ihren andauernden Wiederholungen – sind. Wie sind denn eure Erfahrungen?

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18 Kommentare

  1. Oliver Klein

    In Düsseldorf nicht ganz so streng. Plastiktüten für Handys gabs nicht, in der Tasche und aus war gewünscht. Ausweiskontrolle an der Saaltür war auch ausreichend. Es ist aber erstaunlich wie viel Zeit die verballert haben nach dem Einsammeln von 70 Antwortbögen vorne festzustellen, ob sie wirklich 70 Antwortbögen eingesammelt haben.

    • Lost in Japan

      Ausweiskontrolle gab es bei uns dafür nicht – dafür halt drei Mal Gesichtskontrolle. Und ja, dass mit dem Nachzählen, ob sie wirklich alle Antwortbögen haben, war ihr auch eine Aufgabe für sich xD

    • Oliver Klein

      Haben das aber auch dämlich angestellt. Die leeren getrennt einsammeln und dann immer „uahh, ich hab nur 64!“ – „hier sind ja auch noch die 6 Leeren!“ „Hua, Nummer 8 fehlt!“ – „Nummer 8 ist bei den leeren Bögen!“ Und warum dieser Bohei mit „wer was nicht abgibt, fällt durch, wenn doch offensicht die Aufsicht Angst hat unvollständige Unterlagen abzugeben.“;-)

  2. Sabrina Sa

    Nun in Stuttgart letztes Jahr war es auch komisch. Ausweis musste man nur ein Mal vorzeigen mit dem voucher. Erklärt wurde alles auch mehrfach etc… Handy musste aus sein und in der Tasche

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