[Liebesleben] Treffen mit der japanischen Verwandtschaft

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Wenn man einen Japaner heiratet, bekommt man nicht nur einen Japaner, sondern auch meist noch eine japanische Familie dazu. Im Januar haben ich einen Teil meiner neuen japanischen Verwandtschaft kennen lernen dürfen.

Mein Mann hat es nicht so mit seiner Verwandtschaft. Seitdem wir im Oktober letzten Jahres zusammen gezogen sind, waren seine Besuche bei seinen Eltern recht spärlich. Zumindest seine Mutter ruft immer mal an, fragt wie es uns geht und teilt uns mit, dass Post für einen von uns bei ihnen liegt, die mein Mann dann 1-2 Wochen später abholt.

Das letzte Mal bei seinen Eltern zuhause waren wir zusammen Mitte November, wo wir gemeinsam das Fotobuch von unserer Hochzeit anschauten und von dem Fest in Deutschland erzählten. Überraschenderweise kamen an diesem Nachmittag auch ein Onkel mit Tante vorbei, die mich natürlich ausfragten. Der Onkel war sehr lustig und wir hatten trotz Sprachbarriere eine lustige Zeit. Er machte sogar ein Foto mit mir.

Kurz darauf kam auch die jüngere Schwester meines Mannes, die ich auch zum ersten Mal traf, mit ihrem Mann und dem kleinen Baby vorbei. Zu meiner Überraschung trafen sich die beiden Männer – also mein Mann und sein Schwager – ebenfalls zum allerersten Mal. Dabei war seine Schwester auch schon fast zwei Jahre verheiratet. Wir verstanden uns auch recht gut und ich durfte sogar Babyhalten.

 

An diesem Tag wurden wir auch zu zwei weiteren Treffen eingeladen: den Neujahrstreffen der Geschwister meiner Schwiegereltern.

Das erste davon fand am 2. Januar statt. Hier trafen sich die Geschwister meiner Schwiegermutter – alle hatten ihre Ehepartner dabei, nur mein Schwiegervater war nicht mit. Er ist allgemein nicht sehr gesprächig und scheint solche Veranstaltungen nicht zu mögen… Ein paar hatten auch ihre Söhne dabei, so dass wir etwa 14 Leute waren. Es ging in ein italienisch angehauchtes Pizza/Pasta-Restaurant und wir waren mit einer anderen großen Gruppe in einem abgetrennten Raum. Es wurde bunt durcheinander bestellt und alles geteilt. Eine lockere Atmosphäre und natürlich wurden wir viel ausgefragt und unser Fotobuch machte die Runde.

 

Eine Woche später stand dann das zweite Treffen an. Mir wurde bereits gesagt, dass es diesmal Japanisch essen geht, was mich etwas beunruhigte, da ich beim Essen ja etwas „kompliziert“ bin und das ganz traditionelle Essen meist nicht so meins ist. Als wir allerdings beim Restaurant ankamen, war ich stark überrascht. Es ging nicht nur Japanisch essen, es ging gut Japanisch essen.

Wir waren etwas zu früh da und wurden zu erst von einer im Kimono gekleideten Frau in unser Tatami-Zimmer geführt. Dort gab es eine lange Tafel mit 10 niedrigen Stühlen. Alles sah sehr schick und edel aus. Nach und nach kamen nun die Geschwister meines Schwiegervaters – der war diesmal auch dabei – genauso wieder der lustige Onkel vom letzten Mal. Als alle saßen, machten wir eine kleine Vorstellungsrunde, damit ich wusste wer wer ist. Auch ich sollte mich in ein paar Sätzen vorstellen, was ganz unvorbereitet eine Herausforderung war, da ich keine Ahnung hatte, was ich überhaupt sagen sollte – und dann auch noch auf Japanisch!

Es wurden Getränke bestellt und ich musste das Vorurteil, dass alle Deutsche Bier lieben, widerlegen. Ich bekam dafür eine nicht günstig wirkende Flasche Rotwein vor die Nase gestellt. Nacheinander gab es dann verschiedene kleine Speisen. Es waren bestimmt zehn Gänge. Da mein Mann auch kein sonderlicher Fan von traditionellen Essen ist, war es mir auch nicht all zu peinlich ab und zu etwas auf den Tellern zurück zu lassen. Manche Sachen waren sogar ganz lecker und mein Mann war überrascht, dass mir das schmeckt.

Familientreffen

Dann kamen die Fischteller und genau in diesem Moment von einem Verwandten die Frage, ob mir denn japanisches Essen schmeckt. Ich sagte, dass ich keinen Fisch esse und sofort begann das Getuschel mit einer der Kimono-Kellnerinnen. Kurze Zeit später gab es für mich einen Teller mit Steak und Gemüse. Das war mir dann doch peinlich.

Ein Cousin meines Mannes tauchte dann noch spontan auf, der meinen Mann und mich sehen wollte. Somit fand mein unangerührter Fischteller auch noch Verwendung, denn er war ja ins Menü nicht eingeplant.

Nach dem etwa zweistündigen Essen waren wir alle gut gefüllt. Es wurden noch Familienfotos gemacht, von denen wir leider keins haben. Ich habe zwar meinem Mann gesagt, dass ich gern von irgendjemand gern eins hätte, aber ich glaube bei seiner Kontaktfreudigkeit wird das nichts…

Die Familie meines Mannes hat mich – zumindest meines Anscheins nach – recht gut aufgenommen und willkommen geheißen. Alle wirkten interessiert und haben mich viel über Deutschland und mein jetziges Leben in Japan gefragt. Ein paar haben uns auch zu einem Besuch eingeladen, auch wenn das wohl nur ein Höflichkeitsakt war. Wir sollen auf jeden Fall auch nächstes Jahr gern wieder an dem Treffen teilnehmen. Ob das aber auch geschehen wird, weiß ich nicht. Mal schauen, wann ich die Familienmitglieder meines Mannes mal wieder sehe. Eigentlich hätte ich ja gern mehr Kontakt diesbezüglich…

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