[Unterwegs] Ein Blick in die Welt des grünen Tees in Shizuoka

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Anfang August hatte ich durch City-Cost die tolle Gelegenheit eine Tour nach Shizuoka zu machen und dort einen Blick in die Welt des grünen Tees zu werfen. Ich habe dort viel erlebt und gesehen und auch nette Menschen kennen lernen dürfen. Von unserem einmaligen Tag im schönen Shizuoka möchte ich euch heute berichten.

Am frühen Mittwochmorgen – wir hatten uns ausgerechnet den bis dahin heißesten Tag des Jahres ausgesucht – sollten wir uns alle zusammen um 8:20 Uhr in der Tokyo Station treffen. Das ist bei mir natürlich nicht gerade um die Ecke und ich musste früh los. Ich entschied mich für einen Schnellzug von Hachioji, wusste allerdings dabei nicht worauf ich mich da mit meinem schwachen Kreislauf am Morgen einlasse. Nicht nur, dass ich stehen musste während der gut einstündigen Fahrt nach Tokyo, der Zug hielt zwischenzeitlich für gute 30 Minuten nicht einmal an. Keine Chance mal fix rauszuspringen, wenn es nicht mehr geht. Augen zu und durch. Das machte ich dann auch und war echt glücklich, als ich dann am Tokyoter Hauptbahnhof angekommen war.

Shizuoka Grüner Tee TourVor Ort traf ich die zwei Mitarbeiter von City-Cost und nach und nach stießen auch die anderen Blogger zu uns. Darunter zwei nette Frauen aus Irland, eine Schwangere aus den Philippinen und ein junges Mädel etwa in meinem Alter aus Australien. So waren wir komplett und es ging mit dem Shinkansen nach Shizuoka. Im Zug wurde natürlich jede Menge gequatscht, ausgetauscht warum man in Japan ist, wie lange schon, etc. Das war auf jeden Fall sehr interessant.

Am Bahnhof wurden wir auch schon von ein paar Herren der Chamber of Tea Association der Präfektur Shizuoka erwartet, sowie von der sehr netten Übersetzerin, die bei der World Green Tea Association in Shizuoka arbeitet. Zusammen ging es in einen Bus, der extra für uns gemietet wurde, auf zu unserem ersten Tourziel. Bereits im Bus wurden wir mit jede Menge Informationsmaterial versorgt und haben alle eine Flasche gekühlten grünen Tee bekommen, den es nur in Shizuoka selbst zu kaufen gibt. Das war schon einmal eine tolle Einstimmung.

Nach etwa 45 Minuten kamen wir beim Gyokuro no Sato (玉露の里) an. An diesem Ort befindet sich eine Raststätte mit tollem Restaurant sowie auf der anderen Seite des Asahina Flusses unser eigentliches Ziel: das Teehaus Hyogetsu-tei (瓢月亭), in dem wir eine Teezeremonie erleben sollte. Der Name des Teezimmers setzt sich übrigens aus Flaschenkürbis und Mond zusammen und genau so war der Raum auch gestaltet. Überall konnte man Abbildungen von Flaschenkürbissen erkennen und die Schiebetüren zeigten die Bewegung des Mondes auf. Das wurde uns vor Ort natürlich alles erklärt und war sehr interessant. Sogar der Kaiser war schon einmal hier gewesen, was Fotos von Besuch zeigten.

Auch die Teezeremonie an sich war sehr interessant. Eine ältere Japanerin im Kimono erklärte uns alle Schritte und Materialien, die verwendet werden und wir durften auch eigene Fragen stellen. Ein interessantes Thema war hierbei das Drehen der Teeschale, welches wir eine ganze Weile erörterten. Jeder erhielt von den Mitarbeitern dort eine Schale mit Gyokoro, einem sehr hochgradigem grünen Tee, sowie eine japanische Süßigkeit. Alles war sehr lecker und ich habe den Tee sehr genossen.

Im Anschluss daran ging es ins Restaurant Chanohana-tei (茶の華亭), in dem schon eine Tafel voller Leckereien auf uns wartete. Vieles war mit grünem Tee zubereiten, so untere anderem die Soba-Nudeln und auch im Tempura-Teig war Teepulver. Auf unserem Reis haben wir grünen Tee wiedergefunden, Tee-Salz stand zum Würzel bereit und natürlich gab es auch grünen Tee zu trinken. Alles war sehr lecker und mein Bauch sehr schnell gefüllt. Sehr viel Hunger hatten wir bei der Hitze eh alle nicht. Mein Sashimi habe ich mit Freuden weiter gereicht, vom Lachs habe ich sogar einen Teil gegessen, bis ich irgendwann eine Gräte im Mund hatte. Zum Abschluss gab es dann auch noch ein Grüntee-Eis.

Kurz hatten wir noch Zeit uns im Shop um zusehen, musste uns dann aber doch beeilen, um mit dem Bus zu unserem nächsten Ziel zu fahren.

Nach einer guten Stunde im Bus kamen wir bei der Teeplantage Houkouen (豊好園) an, welche sich in Ryogochi befindet. Auf fast vier Hektar Fläche in 350 Metern Höhe werden hier etwa 20 verschiedene Sorten an grünem Tee produziert. Es handelt sich hierbei um einen Familienbetrieb, den Jiro Katahira nun in dritter Generation führt. Er hat uns einiges zu der Geschichte der hiesigen Teefelder und seinen Zukunftsplänen für diese Region erklärt und ich drücke ihm die Daumen, dass das alles so klappt.

Wir durften uns ein paar Teeblätter ernten und sollten diese auch probieren. So richtig nach Tee hat das zwar für mich noch nicht geschmeckt, aber bis die frischen grünen Blätter hier zu richtigen Tee werden, folgen ja auch noch ein paar Abläufe. Es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und von dort oben hatte man eine tolle Sicht. An guten Tagen kann man sogar den Fuji von dort sehen.

Nach oben ging es nicht im Bus sondern auf der Ladefläche eines Transporters. So ging es dann auch wieder nach unten und wir waren uns alle einig: das erleben wir wohl so schnell nicht wieder. War auf jeden Fall lustig. Der Transporter brachte uns zum Haus der Teefarmer-Familie, wo wir nun einige Teesorten testen durften.

Zuerst gab es einige kalte Varianten, die extra für uns am Morgen angesetzt wurden. Das waren u.a. Usucha, Blend, Yumesuruka, Tsuyuhikari und Saeakari, um nur ein paar Namen zu nennen. Mir hat der Usucha glaube am besten geschmeckt. Die anderen waren teilweise ziemlich bitter. Da sie aber kalt waren, waren alle sehr erfrischend. Einen der Tees durften wir auch selbst aufbrühen und dabei den unterschiedlichen Geschmack je nach Ziehzeit herausschmecken. Dazu gab es auch kleine Süßigkeiten. Bei der Verabschiedung haben wir alle noch eine Dose mit Tee und eine Origami-Figur erhalten, was ich wirklich sehr liebenswert von der Familie fand.

Im Bus ging es zurück zum Bahnhof. In dieser Zeit haben wir noch ein Geschenkpacket erhalten, was prall gefüllt war. Neben einer kleinen Thermosflasche für grünen Tee natürlich verschiedene Probesorten, aber auch Pudding zum Probieren. Wir waren alle sehr überrascht so ein Geschenk zu erhalten, wo wir doch eigentlich schon diesen tollen Tag geschenkt bekommen haben. Wir alle bedankten uns herzlich und erhielten daraufhin noch eine weitere Flasche grünen Tee.

Am Bahnhof verabschiedeten wir uns und hatten noch ein wenig Zeit für Einkäufe bis unsere Shinkansen zurück Richtung Tokyo fuhr. Ich kaufte mir nur ein paar süße Sachen für die Fahrt – so langsam hatte ich doch wieder Hunger – und wir stöberten etwas durch die Geschäfte. Die Fahrt zurück verlief recht schnell. Ich stieg vor allen anderen bereites in Shin-Yokohama aus, weil es für mich einfacher war von dort nach Hause zu kommen als wieder bis ins Herz Tokyos zu fahren.Shizuoka Grüner Tee Tour

Ein wunderbarer Tag mit vielen Eindrücken war zu Ende und ich bin immer noch sehr glücklich ein Teil dieser Gruppe gewesen zu sein. Vielen Dank an CityCost und alle anderen Beteiligten. Der entsprechende Artikel zur Tour auf Englisch findet ihr hier.


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9 Kommentare

  1. Ich reise nächstes Jahr auch nach Japan und wollte nach Shizuoka wegen dem Grüntee! Die Teezeremonie gibt es vermutlich nur auf Japanisch oder? Das Restaurant werde ich mir aber mal merken, klingt wirklich lecker!

    • Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube ja, die Teezeremonie ist nur auf Japanisch. Aber allein zum Angucken, Tee trinken und Wagashi essen lohnt es sich schon. Wir hatten bei der Tour ja zum Glück einen Dolmetscher dabei und durften jede Menge Fragen stellen. Ich werde nächsten Monat wohl noch eine Tour nach Shizuoka machen – mal sehen, was wir da erleben 🙂

  2. Toll! Als absoluter Tee-Fan muss ich so was auch unbedingt mal machen, wenn ich nächstes Mal in Japan bin! In Uji gibt es übrigens auch sehr guten Tee, falls du mal in Kyoto bist lohnt sich ein Besuch dort sehr 🙂

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