[Alltagsleben] Kuchen-Fressgelage und Schneechaos in Tokyo

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Am Montag hatte ich mich mit einer deutschen Freundin, die gerade auf Japan-Besuch ist, zum Mittagessen verabredet. Die Wahl fiel auf das Sweets Paradies in Machida – a) ist Kuchen immer toll und b) liegt Machida recht mittig zwischen uns. Da man bei vorheriger Reservierung eines Joshikai (女子会, Frauentreffs) 30 Minuten länger bleiben konnte, haben wir einen Tag vorher dort angerufen. Die Mitarbeiterin machte sich da schon Sorgen wegen des angekündigten Schnees und fragte nochmal nach, ob wir wirklich kommen wollen. Ja, was macht uns Deutschen schon ein bisschen Schnee?

Als ich mich am Morgen auf dem Weg machte, begann es bereits zu schneeregnen, was richtig unangenehm war. Nur gut, dass unser Treffen drinnen stattfand. Wir waren überpünktlich und hatten noch etwas Zeit im Kiddyland / Rilakkuma Store herum zu stöbern, bevor es dann 11:30 Uhr ins Sweets Paradies ging.

Das Sweets Paradies (Website) ist eine Kette an Restaurants, die auf Kuchen spezialisiert ist, aber auch ein paar herzhafte Sachen wie Pasta, Salat und Curry anbieten. Je nach Ort kann es sich etwas unterscheiden, doch meist bezahlt man für eine bestimmte Zeitspanne einen festen Betrag und kann dann so viel essen wie man möchte. In Machida liegt der Festpreis bei 1,530 Yen für 90 Minuten oder 200 Yen mehr, wenn man noch das Eisbuffet nutzen möchte. Aufgrund unserer Reservierung duften wir zwei Stunden bleiben und haben noch eine Mini-Crème Brûlée dazu bekommen.

Die Auswahl an Torten ist sehr groß und es fiel mir natürlich schwer, da eine Entscheidung zu treffen, was ich probieren soll. Vor allem war vieles noch süß mit kleinen Schneemännern und Schneeflockenmotiven gestaltet. Drei Kuchenteller später hatte ich es zumindest geschafft einen großen Teil der Torten zu probieren. Das meiste war sehr lecker, ein paar Sachen waren aber auch nicht so meins. Aber Essen ist ja immer Geschmackssache.

Neben zwei Tassen Pasta mit Käsesauce und Popcorn, wollte ich die Drinkbar ausprobieren, die für mich neu war. Einerseits gibt es verschiedene Flavored Water, aber auch Syrup, um sich selbst etwas zu mixen. Ersteres hat nicht so besonders geschmeckt, mit dem Syrup war es schon besser. Eine interessante Neuerung, die aber noch ausgebaut werden kann.

Nach zwei Stunden rollten wir aus dem Sweets Paradies heraus, stöberten noch durchs Loft und ich verabschiedete mich von meiner Freundin. Für mich ging es auf zur Arbeit. Inzwischen war aus dem Schneeregen tatsächlich Schnee geworden und es wurde immer mehr. Die JR war noch pünktlich unterwegs, doch als ich dann in Nagatsuta in die Denentoshi-Linie umstieg, kamen die ersten Verspätungen und der Zug fuhr immer langsamer. Als ich meiner Chefin gerade mitteilte, dass ich verspätet ankomme, schrieb sie mir, dass wir die Nachmittagsklassen wohl eh zusammenlegen, weil so wenige Kinder kommen und meine Kollegin übernehmen würde (am nächsten Tag erfuhr ich, dass sie dann kurz später ganz zu gemacht haben). Ich könnte also auch wieder nach Hause fahren. Da mein Mann mir 14 Uhr auch geschrieben hatte, dass er nach Hause geschickt wurde, nahm ich das Angebot an und machte mich nach einem kurzen Stopp im Supermarkt, wo ich die neuen Cola Sorten kaufte, wieder auf dem Weg zurück.

Die Züge wurden immer voller, denn nach und nach wurden wohl jede Menge Angestellte und natürlich auch Schüler nach Hause geschickt. Aus den Zugfenstern konnte ich beobachten, wie die Flocken größer wurden und auch anfingen sich mehr und mehr zu stapeln. In Sagamihara erwischte ich zum Glück gleich einen Bus. Der hatte natürlich auch Verspätung, denn die Straßen konnte man unter der weißen Schneedecke inzwischen nicht mehr erkennen. Mit Schneeketten ging es dann Richtung Zuhause, auch wenn die Fahrt doch anders war als sonst. Mein Mann sammelte mich an der Haltestelle in Gummistiefel ein. Vor unserer Haustür lagen inzwischen gut 20 Zentimeter Schnee und es sollte über Nacht noch mehr werden.

Am nächsten Morgen hatte ich die Vormittagsklasse und musste 9:30 Uhr auf Arbeit zu sein. Ich entschied mich für den früheren Bus, was gut war, denn dieser hatte bereits 15 Minuten Verspätung – einmal wegen der schlechten Straßenverhältnisse, aber auch, weil so viele Leute mit dem Bus fuhren. Ich schaffte es pünktlich zur Arbeit, wo regelmäßig das Telefon klingelte und Mütter absagten. Am Ende hatten wir nur fünf kleine Kinder, was aber auch ganz angenehm war. Später haben wir sogar Schnee ins Klassenzimmer geholt und damit gespielt. Mit Farbe wurde der Schnee eingefärbt und am Ende konnte man gar nicht sagen, wer mehr Spaß hatte: die kleinen oder wir großen Kinder.

Am Nachmittag spielten sich ähnliche Szenen wie am Tag zuvor ab – minütlich klingelt das Telefon und es kamen Absagen für den Unterricht. Am Ende hatten wir nur zwei Kinder – aus jeder der beiden Klasse eins. Am Mittwoch waren zumindest fast alle wieder da, denn so langsam pegelte sich alles wieder ein.

Für Tokyo war das der stärkste Schneesturm seit vier Jahren. Natürlich war das, was hier liegen geblieben ist im Vergleich zum Norden Japans mit Hokkaido nicht allzu viel, doch Tokyo ist Schnee einfach nicht gewöhnt. Deshalb bricht hier jedes Mal das Chaos aus, wenn der Schnee liegen bleibt. Einen Winterdienst und Streusalz gibt es hier nicht wirklich und Schneeschaufeln haben auch die Wenigsten. Ich habe schon gestaunt, dass doch recht viele Firmen Schneeketten an ihren Fahrzeugen hatten (was sie in unseren Straßen auch teils brauchten).

Heute ist Freitag, in der Tokyoter Innenstadt ist der Schnee so gut wie verschwunden. Bei unserer Wohnung liegt noch genug. Allein auf unserer Terrasse liegt er noch fünf Zentimeter hoch, was aber auch daran liegt, dass es derzeit für normale Verhältnisse ziemlich kalt ist. Mit Minus 4 Grad (ja, man könnte eigentlich drüber lachen) war es gestern in Tokyo der kälteste Morgen seit 48 Jahren. Bei uns waren es heute wieder Minus 7 Grad und wir bekommen unsere Wohnung auch nicht richtig warm. Ich hoffe nur, dass die Temperaturen bald wieder etwas noch oben gehen.

Wie sieht es denn bei euch aus – mögt ihr es kalt mit viel Schnee oder seid ihr auch lieber im Warmen, so wie ich?

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4 Kommentare

  1. Wir waren ein paar Wochen später Anfang Februar in Tokio und von dem Schnee waren nur noch ein paar Reste übrig – etwa in Ueno Park. Schon heftig, wie schnell sich das Wetter wieder geändert hat wenn ich mir die Fotos von dir ansehe! Aber halbwegs frostig war es immer noch, trotz des strahlenden Sonnenscheins.
    Dir viel Spaß weiterhin in Japan und vielen Dank für den Artikel!

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