[Okinawa] Tag 4 – Mit dem Auto entlang der südlichen Küste

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Für unseren vierten Tag auf Okinawa’s Hauptinsel hatten wir uns ein Auto gemietet. Das hatte allein den Grund, weil mir vorher schon oft gesagt wurde, dass man in Okinawa mit den öffentlichen Bussen nicht so wirklich voran kommt und das hatten wir die Tage zuvor ja auch schon erlebt.

Da gab es nur ein Problem: ich habe zwar einen japanischen Führerschein, bin aber in Japan noch nie Auto gefahren. Nur eine kleine Übungsfahrt mit meiner Schwiegermama haben wir vor unserer Reise nach Okinawa gemacht, die mehr oder weniger glatt verlief. Aber es half ja alles nichts, wenn wir was sehen wollten, mussten wir da durch. Ich suchte uns mit unserem Reiseführer-Magazin und im Internet eine Route raus und los ging es.

Anders als mit dem Auto meiner Schwiegermama, kam ich mit unserem Mietwagen recht gut zurecht. Aus Deutschland war ich nur Gangschaltung gewöhnt, nun hieß es Automatik. Eine kurze Umstellungsphase, aber am Ende war es wirklich super, dass ich nicht übers Schalten nachdenken musste und mich mehr auf den Linksverkehr und alles andere konzentrieren konnte. Am Ende sind wir überall heil angekommen. Nur gedauert hat es ewig, denn auf einem großen Teil unserer Route durfte man nur 40 bis 60 km/h fahren. Da ist es schon was anderes, wenn man sonst mit guten 100 km/h in Deutschland über die Landstraße düst.

Okinawa

 

Sefa Utaki

Unseren ersten Stopp machten wir am Sefa Utaki (斎場御嶽). Hierbei handelt es sich um den heiligsten Ort der alten Okinawa Religion des Ryukyu Königreiches, welcher heute noch als Power Spot ausgewiesen ist.

Zu Beginn des Besuchs wird man gebeten sich ein Video zum Ort anzusehen, das einige Informationen enthält und auch Englisch untertitelt ist. Dann kann man entlang der Waldwege und Felsen zum heiligsten Ort laufen. Immer wieder konnte man kleine Hinweisschilder entdecken. Und ja, ich muss sagen, dass sich diese Umgebung schon anders angefühlt hat. Es war für mich wirklich beeindruckend, was die Natur hier geschaffen hat.

Wir ließen uns einige Zeit, bis wir zurück um Auto liefen. Der Parkplatz liegt einige Minuten vom Eingang entfernt. Vor Ort schauten wir uns noch im kleinen Souvenirladen um und kauften ein paar Sata Andagi (サーターアンダギー), die Donuts von Okinawa. Sehr lecker!

Die Katzeninsel Ojima

Der zweite Stopp des Tages war die Katzeninsel Ojima. Den Begriff „Katzeninsel“ habe ich in der japanischen Reisezeitschrift entdeckt, denn sowas fällt mir ja als Katzennarr immer gleich auf. Die Insel selbst ist aber vorwiegend wegen der dortigen Tempura sehr beliebt und es gibt dort Glass-Boot-Touren. Dafür passte das Wetter allerdings leider nicht so sehr.

Wir parkten das Auto gleich neben der Brücke, die uns auf die Insel gebracht hatte und liefen geradewegs in das kleine Örtchen hinein. Google Maps zeigte ein paar Tempel und Schreine an, die ich mir anschauen wollte, wenn wir schon einmal hier waren. Und die Katzen sollten ja dann super dazu passen. Bis auf zwei-drei Katzen haben wir auf unserem Spaziergang aber (erst) keine weiteren Felltiger entdeckt.

Und die Sache mit dem Schrein war nicht so einfach. Mein Handy führte uns am Ende an einen kleinen Strand mit einem „Mini-Schrein“, wo ein paar Münzen lagen. So viel dazu. Dafür war die kleine Bucht dort umso schöner und wir verbrachten einige Zeit dort. Vor allem die gemusterten Steine, die wir dort entdeckten, waren wirklich sehr interessant.

Später fanden wir dann doch noch die kleine Kannon-Halle der Insel. Von dort aus suchten wir uns einen Platz zum Mittagessen. Auf der Suche, entdecken wir auch endlich den Grund, weshalb wir überhaupt hergekommen waren: KATZEN! Etwa 10 bis 15 kleine und große Fellnasen tummelten sich in der Hafengegend und suchten teilweise auch nach Streicheleinhalten. Wir spielten also etwas mit den Katzen und hatten eine schöne Zeit.

Zum Mittagessen endeten wir in einem Seafood-Restaurant direkt am Hafen. Allerdings aßen weder mein Mann noch ich Seafood-Gerichte dort. Ich bestellte mir Tonkatsu, mein Mann Okinawa Soba. Dazu gab es im Set jeweils einen Teller Sashimi, welches ich dann meinem Mann weiter reichte. Nur die Umibudo (海ぶどう) musste ich probieren – die sogenannten Meerestraube, die auch als grüner Kaviar bekannt ist. Schmeckte gar nicht mal so schlecht und es hat sich lustig angefühlt, wie die kleinen Bläschen im Mund geplatzt sind.

Der Friedens- und Gedächtnispark

Wir machten uns weiter auf den Weg und kamen etwa 14:30 Uhr beim Friedens- und Gedächtnispark der Präfektur Okinawa (沖縄平和公園) an. Unser Zeitplan war hier schon ziemlich verschoben und wir strichen unser letztes Ziel für den Tag schon mal von der Liste, weil wir es mit den Öffnungszeiten nicht mehr geschafft hätten.

Der Süden der Hauptinsel war im zweiten Weltkrieg Schauplatz der Schlacht zwischen Japan und den USA. Daher gibt es noch heute dort viele Denkmäler. Hauptort hierfür ist das Friedensmuseum, in dem es eine recht große Ausstellung gibt. Neben Bildern und Ausstellungsstücken aus der Kriegszeit, gibt es dort auch Augenzeugenberichte. Allein der dunkle Raum mit den großen weißen Büchern hat mir schon Gänsehaut bereitet. Die Berichte kann man auf Japanisch und Englisch lesen.

In dem großen Parkgelände befindet sich aber neben dem Museum noch mehr. Angefangen mit den vielen Steintafeln auf denen die unzähligen Namen der Kriegsopfer verewigt sind. Wir besuchten auch die Friedenshalle, in der sich eine große Gebetsstatur sowie eine Sammlung von Friedenssteinen aus der ganzen Welt befinden. Natürlich auch aus Deutschland. Hinter der Halle befindet sich übrigens recht versteckt noch eine Schmetterlingshalle.

Himeyuri Gedenkstätte

Unser letzter Stopp war das Himeyuri Peace Museum (ひめゆり平和祈念資料館), welches zu Ehren der Himeyuri-Studentinnen errichtet wurde. Die Schülerinnen mussten im Krieg bei der Versorgung der verletzten Soldaten im Armeekrankenhaus helfen, welche sich in Höhlen befanden. 134 Schülerinnen und Lehrer des Sanitätsttrupps verloren in der Schlacht ihr Leben. Auch hier wird anschaulich berichtet und es gibt Augenzeugenberichte zum Lesen. Alles wirklich sehr bewegend.

 

Um die bedrückenden Gefühle etwas zu Verarbeiten gönnten wir uns vor der Rückfahrt nach Naha noch ein Beni-Imo-Softeis – lilane Süßkartoffel. Die Rückfahrt dauerte aufgrund von Stau etwa eine Stunde und wir kamen gegen 18 Uhr wieder im Hotel an. Wir ruhten uns eine Weile aus und liefen dann ein Stück Richtung Innenstadt zum Abendessen. Nachdem wir einige Straßen abgelaufen waren, landeten wir in einem kleinen Izakaya, wo wir verschiedene Gerichte bestellten. Meine Aufmerksam viel dann aber auf die Fotowand mit berühmten Gästen: da hing doch tatsächlich Anna Tsuchiya!

 

Zurück im Hotel machten wir die Pläne für den nächsten und letzten Tag auf Okinawa. Leider war schon wieder Regen angesagt… Mein Mann war noch mit einem ehemaligen Kollegen verabredet, der nun in Naha wohnt. Ich konnte mich daher im Hotel entspannen und schon einmal in Ruhe meinen Koffer zusammen packen.

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