[Auswandern] Black Friday im Immigration Office

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Letzte Woche Freitag sollte so ein schöner Tag werden. Mein Mann hatte sich den Vormittag frei genommen, um mit mir zusammen mein Ehegattenvisum zu beantragen und im Anschluss wollten wir auf seine Arbeit, weil mich seine Kollegen gern mal kennen lernen wollten. Doch dann kam alles anders.

Früh machten wir uns zusammen auf den Weg zum Immigration Office in Yokohama, da wir zumindest offiziell in der Präfektur Kanagawa wohnen. Mein Mann war schon mal dort, um Formulare zu bekommen und nachzufragen, was wir alles brauchen. Von unserer Monthly Mansion in Mizonokuchi bis zum Bahnhof Shin-Sugita brauchten wir eine gute Stunde. Dann noch einmal etwa 15 Minuten mit dem Bus zum großen Gebäude des Immigration Office. Der Weg dorthin ist schon eine Tortur.

Angekommen sind wir mit einer netten Frau am Infoschalter unsere Formulare durchgegangen und haben noch fehlende Sachen ausgefüllt. Sie sprach etwas Englisch und war sehr interessiert. Bis dahin war noch alles gut. Wir zogen dann ein Ticket für den Schalter und warteten. Irgendwie fing es da schon an, dass ich mich unwohl fühlte. Meine Hände waren auf einmal schweißnass. Es waren einige Ausländer hier, die meisten allerdings aus dem asiatischen Raum. Der Anteil der Nicht-Asiaten machte vielleicht 10~15% aus.

Nach einer guten halben Stunde wurde unsere Nummer aufgerufen und wir kamen an den Schalter zu einem jungen Mann. Er schaute sich die Unterlagen an und fragte nach einem Visum. Ich sei als Tourist eingereist. Mein Mann und er diskutierten eine Weile auf Japanisch. Ein älterer Beamter kam hinzu und die Gespräche gingen weiter. Ich verstand nur ein paar Worte, aber was mir immer noch in den Ohren klingt ist 「無理です。„Es ist unmöglich.“

Ich mischte mich nun doch etwas ein – so viel wie es mein Japanisch zu ließ, Englisch spricht ja keiner. Die Japanische Botschaft in Deutschland hat mir diesen Weg empfohlen, weil ich so kurz nach der Hochzeit nach Japan wollte und ich das Visum nicht so schnell von ihnen bekommen hätte. Ich erklärte es nochmal auf Englisch meinem Mann, doch der war auch keine große Hilfe, nahm er doch nur die Informationen von den Beamten zur Kenntnis.

„Dann hat die Botschaft einen Fehler gemacht. Das tut uns leid. Aber wir nehmen Ihren Antrag nicht an. Reisen Sie zurück nach Deutschland und beantragen Sie das Visum dort.“ 

Das saß. Ich fing an zu heulen und hörte auch für die nächste Stunde nicht mehr auf damit. Ich hatte mich extra vorher informiert und andere gefragt, die auch auf diesem Weg eingereist sind. Alle sagten, dass sie kein Problem hatten. Warum sollte es auf einmal bei mir nicht mehr funktionieren? Ich habe auf jeden Fall keine Lust nochmal jede Menge Geld auszugeben, um nach Deutschland zu fliegen, dort mich eine Weile aufzuhalten, die Fahrten nach Berlin zu bezahlen und all die anderen Kosten, die da auf uns zukommen würden. Das kann doch nicht wahr sein!

Sie ritten u.a. auch darauf rum, dass zwischen der Hochzeit und meiner Einreise so viel Zeit lag, was ich für eine eigenartige Begründung halte. Dazwischen lagen nicht einmal drei Monate. Zu Bedenken ist da nämlich auch, dass ich nach der Hochzeit in Deutschland auch noch so einige Sachen zu klären hatte, bevor ich das Land verlasse. Zuerst der neue Pass mit neuem Namen, auf den die meisten anderen Behörden gewartet habe. Neue Kreditkarten ausstellen lassen, Flug und Versicherungen auf neuen Namen buchen, Job kündigen, Umzugsvorbereitungen, und viel mehr. Die „zeitliche Begründung“ finde ich also ziemlich skurril. Aber an meinen Begründungen hatte im Immigration Office keiner Interesse.

Mein Mann bat dann darum, dass wir zusammen mit dem Beamten zu der netten Frau am Info-Schalter gehen, die mir das ganze nochmal auf Englisch erklären wollte. Außer einem „geht nicht“ und „ausreisen“ kam da aber auch nichts neues bei raus und ich schaltete dann auch einfach ab. Ich wollte einfach nichts mehr hören. Ich überlegte sogar kurz einfach aus dem Raum rauszurennen und meinen Mann den Rest alleine klären zu lassen. Es brachte ja eh nichts mehr.

Am Ende haben Sie die Unterlagen behalten, um irgendwas zu machen. Was, wissen weder mein Mann noch ich. Ich vermute, da sie uns in einem Monat etwa einen Brief schicken wollen, dass sie das Certificate of Eligibility ausstellen, damit ich das Visum in Deutschland beantragen kann. Wir haben auch eine Nummern für Nachfragen bekommen, aber erstmal haben wir das Thema auf Eis gelegt. Mein Mann und ich sind die nächsten Wochenenden mit dem Umzug in unsere neue Wohnung und Vorbereitungen dafür beschäftigt. Erst danach nehmen wir das Problem wieder auf. Vielleicht ist der Brief vom Immigration Office dann schon da.

Ich danke allen, die mit mir an diesem Tag geschrieben haben, mir Tipps gegeben und mich wieder aufgebaut haben. Den Besuch bei der Firma meines Mannes haben wir gestrichen und mein Mann ist alleine zur Arbeit gefahren. Ich war eh nur am Heulen und ein nervliches Wrack. In unserer Wohnung angekommen, gönnte ich mir zwei Dosen japanischen Alkohol und habe ein paar Stunden geschlafen. Am Abend hat mich mein Mann zum Essen eingeladen, um mich wieder aufzuheitern.

So leicht werden wir aber nicht aufgeben. Mir wurde nun von einigen gesagt, dass wir es beim Immigration Office in Tokyo probieren sollen. Da waren die meisten und hatten keine Probleme. Zudem kennt sich das große Office besser aus als das „kleine“ Präfekturoffice. Und wenn es dann immer noch nichts wird, kann sich auch gern ein Anwalt die Sache mal anschauen. Mein Touristenvisum kann ich ja zumindest auf insgesamt 6 Monate verlängern. Auch wenn ich so lange noch nicht arbeiten darf… Wir haben trotzdem Zeit für einen Behördenkrieg! 頑張ります!

Drückt uns die Daumen ♥

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25 Kommentare

  1. Bettina Schnerr

    Ich fühle mit dir. Die Diskussionen sind manchmal so fruchtlos – dabei ging es bei uns ja nur um Petitessen wie Führerschein und Bankkarte. Wenn Behörden ein Hindernis sehen, sehen sie manchmal nur das, wissen es nicht zu überwinden und flüchten sich in eine Menge verschiedener Gründe. Was nicht in ein bestimmtes Ablaufmuster passt, bereitet Probleme. Wenn Shinjuku helfen kann, dann gerne.

  2. Mina Krueger

    Alles Gute für euch!! Ich habe eine Bekannte, die auch 3-4 Monate nach der Hochzeit erst zu ihrem Mann nach Japan gegangen ist, eben aus von dir benannten Gründen. Sie war auch in Shinjuku und da ging es auch flotter – sie fluchte eher über die deutsche Bürokratie, da die japanische so viel einfacher wäre. Ich persönlich finde beide haben ihre Tücken – aber somit bin ich optimistisch, dass es in Shinjuku vielleicht einfacher wird 🙂

  3. In Shinjuku? Das ist nur für Leute, die ausgewiesen werden…
    „新宿出張所は、摘発などの退去強制手続を行う出張所です。
    在留関係審査業務は行っていません。“
    Du meintest sicher das in Minato-ku (東京都港区港南5-5-30).

  4. Yvonne Lellis

    Oh man…das ist immer der Grund warum die Behörden immer verhasster werden…da weiß manch mal der Kopf nicht was er mit dem A**** zu tun hat- lass den Kopf nicht hängen ihr schafft das, mit Sicherheit…für jedes Problem gibt es eine passende Lösung- wichtig ist das ihr euch beiden Habet und zusammen haltet…dir ganz doll die Daumen drück und viel viel Glück auf die andere Seite dieser so schönen Welt schick <3

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