[Veranstaltung] Japan grüsst Leipzig

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Diese Woche habe ich in Leipzig die Veranstaltung “Japan grüsst Leipzig” besucht, wo es japanische Musik zu hören und wunderschön Kimonos zu bewundern gab. Die Veranstaltung fand im Rahmen der 1000-Jahr-Festivitäten Leipzigs im Gewandhaus statt und war trotz nicht all zu großem Werbeaufwand ausverkauft. Mehr dazu erfahrt ihr hier in meinem Bericht ♥
Ich habe von der Veranstaltung durch die Kimono in Deutschland Gruppe auf Facebook erfahren. Und nachdem ein paar Freunde zugesagt hatten, haben wir uns Tickets besorgt. Diese kosteten nur 8 Euro, was ich ziemlich günstig fand. Leider habe ich erst im Nachhinein erfahren, dass es sich bei der Veranstaltung um eine Art Benefiz-Konzert handelte, denn die Einnahmen und Spenden wurden dem Iwaki Hisanohama Kindergarten zur Verfügung gestellt, der sich in der Stadt Iwaki (Präfektur Fukushima) befindet. Diese Region wurde durch den Tsunami am 11. März 2011 schwer in Mitleidenschaft gezogen. Dann hätte ich wahrscheinlich auch eine Spende da gelassen.
Die Veranstaltung ging pünktlich um 18:30 Uhr los. Es gab eine kurze Einleitung vom Moderator, der, wie viele fanden, nicht so wirklich das Gelbe vom Ei war. Er lass die Texte ziemlich stockend und monoton. Allerdings habe ich erfahren, dass die Texte wohl erst kurz vor der Veranstaltung fertig waren und es keine wirkliche Vorbereitungszeit gab. Also verzeihen wir ihm das.
Zu Beginn gab es eine Koto-Aufführung des Minenokai Koto Ensemble unter Leitung von Frau Toshiko Okamoto mit mehreren Stücken. Neben Koto wurde auch Shamisen gespielt. Eines der vorgetragenen Stücke war das bekannte japanische Volkslied Sakura Sakura (さくらさくら).

Es folgte der japanische Frauenchor aus der Stadt Hitachi. Alle Frauen kamen in farbenfrohen Kimonos auf die Bühne, welches ein wunderschönes Bild auf der Bühne bildete. Sie sangen fünf traditionelle japanische Lieder. Vor allem Furusato (故郷) und Ano machi, kono machi (あの町、この町) haben mir sehr gefallen. Mein kleines Highlight danach war allerdings das letzte Lied names Hana wa Saku (花は咲き). Dieses kannte ich schon, weil es in Japan zur Unterstützung der Opfer vom 11. März 2011 öfter im Fernsehen gespielt wurde. Dabei haben die Sängerinnen Blumen in der Hand gehalten – und ich hatte Tränchen in den Augen.

Nach einem Solo-Vortrag der Overture von Figaros Hochzeit folgte der Chor Ensemble del Cuore aus dem Örtchen Kawakami. Ihre Lieder klangen etwas moderner, leider sahen ein paar der Frauen beim rhythmischen Bewegen arg angespannt aus. Gegen Ende ihres Vortrags hat sich die Anspannung aber zum Glück etwas gelöst.

Weiter ging es dann mit dem Chor Nashi no Hana, was übersetzt Birnenblüte bedeutet. Sie kommen aus der Stadt Funabashi, Chiba Präfektur. Ihre Gesänge klangen noch freudiger und es halt Spaß gemacht zuzuhören. Ein Lied hat mir besonders gefallen, allerdings weiß ich leider nicht, wie es heiß.

Zum Abschluss des musikalischen Teils haben alle drei Chöre zusammen gesungen – ein sehr bekanntes japanisches Volkslied, den Soran Bushi (ソーラン節), welches ich schon öfter von unseren japanischen Studenten erleben konnte. Ein Fischerlied welches ursprünglich aus Hokkaido stammt. Die Frauen im Kimono aus Hitachi haben fleißig dazu getanzt. Ich habe es gefilmt und werde in den nächsten Tagen das Video dazu auf meinem YouTube Kanal hochladen (^^) Ein kleiner Schock ging dann noch durch den Veranstaltungssaal als beim Ausmarsch eine der Kimono-Trägerinnen stürzte. Sie soll aber wohlauf sein.

Danach ging es mit der Kimono-Show los.

Es gab einige Erklärungen dazu, leider ist aber auch einiges dabei untergegangen. Zu Beginn gab es eine Reihe an Kimonos nach den Jahreszeiten, die uns vorgeführt wurden. Von Pflaumenblüte, Kirschblüte, Lilie, Chrysanthemen, Mohn und Herbstahorn gab es viele wunderschöne Kimono zu sehen. Begleitet von Musik liefen die japanischen und deutschen Models einzeln über die Bühne.

Weiter ging es mit Kimono zu bestimmten Anlässen. Zu Beginn trägt die stolze Großmutter in einem schlichteren Kimono das neu geborene Kind zum Schrein. Danach geht dieses Kind zum Shichi-Go-San-Fest mit der Mutter aus. Ein deutsch-japanisches Model-Pärchen zeigte uns, wie man zum ersten Schreinbesuch des neuen Jahres ging. Anschließend wunderschöne Kimonos zum Volljährigkeitsfest, welches jedes Jahr für die 20-Jährigen im Januar gefeiert wird. Die Kleidung zum Universitätsabschluss danach fand ich auch sehr interessant, weil diese mal total anders aussah. Uns wurde gesagt, dass es sich hierbei um einen Hakama, eine Art Hosenrock, handelt. Zum Schluss dieses Teiles konnte natürlich die Hochzeit nicht fehlen. Erneut präsentierte ein deutsch-japanisches Model-Pärchen die Kleidung zu diesem Anlass. Wunderschön!

Der Moderator erklärte uns dann, dass es natürlich viele Studien zu Kimono und ihren Farben gibt. Eine wurde uns vorgestellt. In der japanischen Sprache gibt es verschiedene Silben und diesen wird jeweils eine Farbe bzw. Stimmung zugeordnet. Ein paar Beispiele wurden uns dann präsentiert. Dazu gehörten die Silben 無(む), あ, え, い, お und う.

Danach ging es zu alltäglicheren Kimono-Varianten. Zu Beginn gab es ein deutsch-japanisches Model-Pärchen in Yukata zu sehen. Diese leichten Baumwoll-Kimono werden gern im Sommer getragen. Es folgten Kimono-Versionen für Feldarbeit und Hausputz, sowie zwei Männer-Varianten. Einerseits ein Mantel. der auch sehr an europäische Verhältnisse erinnert. Anderseits die Arbeitsvariante für Männer, wie man sie heutzutage noch oft bei Rikscha-Fahrern finden kann.

Der nächste Teil zeigte wieder Kimono für festlichere Anlässe. Unter anderem wurden drei wunderschöne Furisode (振袖) präsentiert, welche aufgrund ihrer langen Ärmel und großen Muster besonders schön aussehen. Diese werden von unverheirateten Frauen getragen. Aber auch die anderen Kimono aus dieser Reihe waren alle sehr schön. Vor allem hat mir der Obi des Blauen gefallen.

Zum Schluss folgte das Highlight. Ein Sammler hatte für die Veranstaltung drei besondere Kimono zur Verfügung gestellt, denn diese sind schon mehrere Jahrhunderte alt. Der helle Kimono stammt aus dem 16. Jahrhundert. Alle waren Hochzeitskimono reicher Familien zu ihren Zeiten. Es war wirklich sehr beeindruckend diese in Real getragen zu sehen.

Schließlich kamen noch einmal alle Kimono-Models auf die Bühne und es ging ein hallender Applaus durch das Gewandhaus. Auch die Direktorin der „Association of Kyoto Kimono Fashion“, Frau Teruno Miyake, kam dann noch auf die Bühne, die diese tolle Veranstaltung mit ermöglichte. Ein wunderschönes Abschlussbild für die beeindruckende Kimono-Show.

Nachdem alle von der Bühne gingen, war auf einmal Schluss. Ein paar fragten sich, wo denn die versprochene Teezeremonie geblieben ist, die auch auf den Eintrittskarten vermerkt war. Auf diese hatte ich mich auch gefreut, doch irgendwie wurde sie am Abend mit keiner Silbe erwähnt. Im Nachhinein erfuhr ich dann, dass es eine offizielle Vorstellung dazu am Nachmittag gab und eine zusätzlich bereits am Vormittag präsentiert wurde. Deshalb ist sie am Abend ausgefallen, was ich wirklich sehr schade fand.
Da unsere Freundin im Kimono zur Veranstaltung gekommen war, wurden wir danach noch von vielen interessierten Leuten angesprochen. Viele stellten Fragen, über Dinge, die von der Moderation nicht erklärt wurden waren. Es wurde so z.B. oft gefragt, was es mit dem Obi auf sich hat.
Fazit:
Mir hat die Veranstaltung im Großen und Ganzen sehr gefallen. Es gab ein paar kleine Mankos, wie die nicht so berauschende Moderation, die fehlende Teezeremonie und die teilweise etwas hilflos wirkenden männlichen deutschen Modele, die erst kurz vor der Veranstaltung verpflichtet wurden. Doch die wunderschöne Musik und die beeindruckenden Kimonos haben dies fast wieder ausgeglichen. Zudem hat der Eintritt nur 8 Euro gekostet und dafür konnten wir wirklich sehr viel erleben. Ich hoffe sehr, dass es in Zukunft noch mehr solcher Veranstaltungen geben wird. Das es genügend Interessenten gibt, hat das ausverkaufte Gewandhaus ja gezeigt.
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Ich habe hier schon versucht jede Menge Fotos unter zu bringen. Mehr Fotos zur Veranstaltung findet ihr im entsprechenden Album auf meiner Facebook-Seite Lost in Japan. Schaut doch mal vorbei.
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Zum Schluss noch ein Dank an Herrn Rainer Flohr, der mir die vielen Informationen zur Veranstaltung zur Verfügung gestellt hat.

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