[Hokkaido] Tag 1 – Eis, Krabben und Sake in Mombetsu

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Unsere Tour nach Hokkaido startete am 7. Februar am Flughafen Haneda, wo wir uns 9:30 Uhr treffen sollten. Meine Bekannte und ich waren schon etwas früher da. Sicher ist sicher, denn unser Flug sollte bereits 10:20 Uhr gehen und ich fand es irgendwie recht knapp sich erst 50 Minuten vorher zu treffen.

Es ging dann aber auch wirklich alles recht schnell. Unsere Gruppe fand sich zusammen, wir erhielten unsere Flugtickets, gaben das Gepäck auf und gingen zum Gate. Bei Inlandsflügen sind die Kontrollen nicht allzu streng und man darf sogar seine Getränke (nach Check) mitnehmen. Nach wenigen Minuten saßen wir im ANA-Flugzeug und starteten in die Lüfte. Selbst der Berg Fuji war so nett und zeigte sich diesmal von seiner besten Seite.

Eine Stunde und 45 Minuten sollte der Flug dauern – und sie wurden für mich der Horror. Ich war vorher wieder erkältet gewesen, zumindest so halbwegs wieder gesund, aber meiner Ohren haben den Flug absolut nicht überstanden. Ich hatte grauenhafte Ohrenschmerzen, die auch noch zwei Tage danach anhielten. Ich war so froh, als wir endlich wieder Boden unter den Füßen hatten.

Ankunft in Mombetsu

Ich hatte in meinem Leben noch nie von Mombetsu gehört. Von Hokkaido kennt man ja meist nur Sapporo und Hakodate. Nun landeten wir auf einem sehr kleinen Flughafen im Osten der Insel – und ja, der Flughafen war wirklich klein. Vom Flugzeug liefen wir zum Flughafengebäude und machten gleich erstmal Bekanntschaft mit dem kalten Hokkaido-Wetter. Das ist schon ein kleiner Schlag, wenn man gerade aus dem warmen Flieger kommt.

Wir warteten auf unsere Koffer am kleinen Gepäckband und liefen dann hinaus in den Eingangsbereich, wo uns das Maskottchen der Region gegrüßte: Montakun. Ich habe mich sofort in ihn verliebt, da ich ja eh ein Fan von regionalen Maskottchen bin. Leider konnten wir nicht lang dort bleiben, um Fotos zu machen, denn es ging gleich weiter in unseren Bus, mit dem wir die nächsten Tage unterwegs sein sollten.

Durch die Schneeberge an den Straßen fuhren wir nun vom Flughafen in Richtung Stadt. Wir hielten am Hafen zum Ochotskischen Meer, wo wir die nächsten Stunden verbringen sollten.

Mittagspause mit Ramen

Im Ramen Shop Nishia standen Okhotsk Ramen auf dem Speiseplan. Ich war allerdings froh, dass wir auch einfache Shoyu Ramen wählen konnten, da in den Okhotsk Ramen Seafood enthalten ist. Und da unsere Mitreisenden diese bestellt hatten, konnte ich ja zumindest Fotos machen.

Unsere Ramen waren nicht schlecht, aber auch nicht umwerfend. Sie haben uns jedoch gut gefüllt und mit etwas warmen im Magen konnte man die Kälte draußen auch besser überstehen. Wir genossen die kurze Pause, bevor es zum ersten Touristenpunkt ging.

Mombetsu Okhotsk Tower

Eigentlich kann man den kurzen Weg vom Restaurant bis zum Tower auch in etwa 15 Minuten laufen, aber wir wurden mit dem Shuttle-Bus hingefahren. Der Okhotsk Tower befindet sich etwa einen Kilometer von der Küste entfernt und man kann sowohl nach oben als auch nach unten gehen.

Der Leiter des Museums begrüßte uns und machte mit uns eine Führung. Zuerst ging es nach oben, von wo aus man einen tollen Blick über das Treibeis auf dem Meer hatte. Wir konnten auch schon das Eisbrecherschiff sehen, mit dem wir später fahren würden. Man konnte auch auf ein paar Außenplattformen gehen, es war allerdings ziemlich windig und so ging es nach wenigen schnellen Fotos wieder nach drinnen.

Im Anschluss ging es nach unten. Etwa 7,5 Meter unter Wasser gibt es eine Ebene mit verschiedene Aquarien und Fenstern ins Meer. Leider war das Wasser zu trüb um irgendetwas zu sehen. Die Aquarien waren daher umso interessanter. Unter anderem konnte man kleine Haie füttern. Wir hatten dort einiges an Zeit und konnten den Leiter Fragen stellen.

Dann ging es wieder nach oben, hindurch durch eine Ausstellung mit Radaren und mehr für die Beobachtung des Treibeises, hinein ins kleine 360-Grad-3D-Kino. Wir schauten einen niedlichen Film, über eine Robbe, die bei ihren Abenteuern im Meer verloren ging und sollten dabei Ausschau nach Montakun halten. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Zum Abschluss durften wir noch ein Stück des Treibeises tragen – und das ist wirklich super schwer!

Mehr Informationen & Bilder zum Okhotsk Tower folgen demnächst auf meinem Travel Blog.

Garinko-go Eisbrecher

Es ging zum Highlight des Tages: die Fahrt mit dem Eisbrecher Garinko-go II, weshalb wir uns sehr warm anziehen sollten, weil wir laut unserer Reiseunterlagen eine lange Zeit draußen sein würden. Bei -6 Grad Tageshöchsttemperatur kein Spaß. Zum Glück war das nicht so und wir konnten uns zwischendurch immer wieder im Innenbereich aufwärmen.

Die Fahrt mit dem Eisbrecherschiff war wirklich beeindruckend. Zu sehen, wie sich die Schrauben durch die dicken Eisschichten arbeiten, wie diese dann brechen und an der Seite davon gestoßen werden – das hatte schon was. Auch wenn es durch die kalten Temperaturen und den Fahrtwind wirklich frostig war. In diesem Moment bereute ich es ein wenig, dass ich meine Videokamera doch nicht mitgenommen hatte…

Wir verbrachten die gute Stunde Fahrt damit immer im Wechsel draußen zu schauen und sich drinnen wieder aufzuwärmen. Gegen Ende der Fahrt stand ich etwas weiter vorn und beobachtete, wie der Hafen näher kam, als sich neben mir die Tür zum Kapitän öffnete. Ich wurde gefragt, wo ich denn herkomme. Als ich mit Deutschland antworte, kam große Begeisterung auf und ich sowie die meine zwei Begleiter neben mir wurden in die Führerkabine eingeladen.

Der Kapitän war mit Rauchen beschäftigt und so stank es darin schrecklich… Uns wurde erzählt, dass erst vor Kurzem ein deutsches Fernsehteam an Bord war und gedreht hat. Ich versprach im Internet mal danach zu suchen und fand kurze Zeit später auch die Sendung von MareTV auf dem NDR(hier könnt ihr reinschauen). In der Fahrerkabine fuhren wir dann zusammen in den Hafen ein und bedankten uns für die kurzfristige Einladung des Kapitäns.

Do-It-Youself Abendessen

Mit dem Bus ging es weiter zu einem Kochevent im Restaurant Mombetsu Ryoshi Shokudo. Davor hatte es mich erst ein wenig gegraut, denn es sollte Krabben und Meeresfrüchte geben. Am Ende war es eine der besten Erfahrungen der ganzen Reise.

Wir wurden im Restaurant in Gruppen an Tische gesetzt, vor uns eine Kiste mit Plastikhandschuhen, Zange und anderem Werkzeug. Oh je, was würde uns nur erwarten? Wir erhielten alle eine Schneekrabbe, die wir nun auseinander nehmen sollten. Der Chefkoch zeigte uns alles an einem Beispiel, doch die Umsetzung war für Erstlinge wie mich, die noch nie im Leben eine Krabbe in der Hand hatten, etwas schwieriger. Es hat trotzdem Spaß gemacht. Trotzdem war ich skeptisch, ob ich das dann auch wirklich essen würde.

Das Krabbenfleisch legten wir in den Panzer und bereiteten dann alles vor zum Essen. Den Panzer mit dem Krabbenfleisch setzten wir auf eine Feuerstelle. Im Anschluss konnten wir uns an einem Buffet unsere eigene Seafood-Schüssel mit Reis und verschiedenem Topping zusammenstellen. Ich hatte keine Ahnung, was ich da vor mir hatte und nahm zumindest zum Probieren von jedem ein wenig. Dazu gab es noch ein Krabbensüppchen.

Nun hieß es Itadakimasu und ran ans Essen.

Ich war sehr überrascht: das Krabbenfleisch war ganz ok und ich aß mehr als erwartet davon. Auch die Suppe war sehr lecker. In meiner Seafood-Schüssel hatte ich Scallops, Muscheln, und nein, das war nicht meins. Schlimmer waren dann nur noch Ikura, Lachsrogen. Das habe ich wirklich gar nicht runter bekommen… Ich werde wohl nicht so schnell Fan von Essen aus dem Meer, aber ein paar Sachen in geringem Maß gehen noch.

Sake-Verkostung

Nachdem wir uns etwa eine Stunde im Hotel ausruhen konnten, ging es zu Fuß in die Trinkstraße von Mombetsu, die mit Bars und Restaurants gesäumt ist. Es war bereits dunkel und die Straßen menschenleer – und es war wirklich kalt mit etwa -20 Grad. Deshalb war ich froh, als wir irgendwann in der Sake Bar Ikioi ankamen.

Dort wurden wir herzlich vom Inhaber Sasaki-san begrüßte, der den ganzen Abend sehr gesprächig war und uns jede Menge aus seinem Leben rund um die Bar erzählt – immer zusammen mit unserer Dolmetscherin, was das ganze leider auch ziemlich langwierig machte.

Wir erhielten alle ein kleines Snack-Set, wobei ich mich am meisten über die Yatsuhashi-Stangen aus Kyoto freute. Auch hierzu hatte Sasaki-san eine Story zu erzählen. Dann ging es aber auch schon mit der Sake-Verkostung los und ich bin ehrlich: ich habe noch nie richtig Sake getrunken und habe auch keine Ahnung davon. Wir probierten drei Sorten:

    • Otokoyama aus Hokkaido
    • Fukuchou aus Hiroshima
    • Ichinokura aus Miyagi

Mir schmeckte der erste am besten, weil er nicht so herb war sondern eher eine süße Note hatte. So sahen es die weiblichen Mittrinker auch, aber bei alle anderen gingen die Stimmen an die anderen Sorten.

Wir hatten alle jede Menge Spaß und bekamen dann nochmal ein Glas unserer persönlicher Lieblingssorte umsonst. Dann hatten wir die Wahl zurück zum Hotel zu gehen oder noch etwas auf eigene Kosten hierzubleiben. Ich war schon total angetrunken – oh je, das hatte ich lange nicht mehr – und so machten wir uns auf den glatten Straßen zurück Richtung Hotel. Gegenüber liegt übrigens noch meine Dining Bar “Claudia”. Leider hatte sie anscheinend gerade nicht geöffnet, aber ein Foto musste sein.

Wir legten noch einen kurzen Zwischenstopp im Konbini ein, wo ich mir ein paar Snacks & alkoholfreie Getränke holte, denn vor dem Schlafen musste ich noch ein paar Seiten Fragebogen zum ersten Reisetag ausfüllen.


Das war unser erster Tag in Hokkaido. Wir haben bereits jede Menge erlebt, weshalb mir der Artikel unglaublich lang vorkommt. Aber seid gespannt auf Tag 2 mit Robben, Eisfiguren und einem tollen Ryokan!

Übersicht zur Hokkaido-Tour 2018

 

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