[Konzertbericht] Hikaru Utada – Laughter in the Dark Tour 2018

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Seit Sommer 2004 höre ich japanische Musik. Eine Sängerin, die mich seit dieser Zeit begleitet ist Hikaru Utada. Ich liebe ihre Musik sehr und selbst mein Mann hat sie in jüngeren Jahren oft gehört. Doch leider hat sich Hikki, wie sie von ihren Fans genannt wird, in den letzten Jahr sehr rar gemacht. Nun ist sie endlich zurück. Mit ihrer ersten landesweiten Tour seit 12 Jahren. Und ich konnte eines der begehrten Tickets ergattern!

Eigentlich wollte ich gern zum Konzert in der Yokohama Arena am 7. November 2018, weil diese nicht allzu weit von uns entfernt liegt. Leider hatte ich aber kein Glück mit einem Ticket dort. Aber ich habe zumindest ein Ticket für die Saitama Super Arena am 5. Dezember in der Lotterie bekommen können. Also hieß es zwei Stunden mit der Bahn nach Omiya tuckern.

Ich hatte mit den Mittwoch des Konzertes frei genommen und bin eine knappe Stunde vor Einlass an der Saitama Super Arena angekommen. Von meinem Ayu-Konzert im April dort (Bericht), wusste ich noch, dass wir aufgrund der vielen Menschen ewig beim Merchandise anstehen mussten. Da ich die Gummi-Armbänder gern haben wollte, plante ich also etwas mehr Zeit ein – und beim Verkauf war nichts los und ich hatte meine Armbänder in nicht mal fünf Minuten gekauft. 

So hatte ich natürlich noch jede Menge Zeit und freute mich über den Weihnachtsmarkt, der vor der Saitama Super Arena stattfand. Es gab zwar nicht allzu viele Stände und die Preise waren wie immer happig, aber es war für mich einfach schön hindurch zu schlendern, weil ich dieses Jahr wohl keine Zeit für einen anderen Weihnachtsmarkt haben werden. Sie hatten sogar einen Berlin-Photospot und einen Steiff-Bärenstand. Ich habe mir vor dem Konzert noch eine 500-Yen-Butterbretzel gegönnt.

Der Einlass begann etwas eher und ich war vor allem auf den Einlass gespannt. Es war mein erstes Konzert mit einem digitalen Eintrittsticket auf dem Handy. Bei der Anmeldung zur Ticketlotterie musste man ein Foto von sich hochladen, welches später beim Einlass abgeglichen werden sollte. “Gucken sich die Staff-Leute dann das Foto und die Person an und entscheiden?”, ging mir im Kopf herum. Nein, am Eingang befanden sich Kameras. Der QR-Code auf dem digitalen Ticket wurde gescannt, man musste in die Kamera schauen und dann leuchtete ein grünes Licht auf und man durfte rein. Interessant, diese moderne Welt.

Mein Platz war recht weit oben, im Level 400, aber zum Glück recht mittig auf der linken Seite der Bühne. Daher war die Sicht ganz ok – ich hatte schlimmeres erwartet. Jeweils rechts und links neben der Bühne befanden sich zwei Leinwände sowie eine große auf der Bühne, die das Konzertgeschehen für alle vergrößerten. 

Was mich vor allem überraschte: das Fotografieren während des ganzen Konzertes war erlaubt – mit Handykamera und ohne Blitz (professionelle Kameras waren nicht gestattet). Das ist in Japan wirklich eine Seltenheit. Meist ist Fotografieren strikt verboten. Daher konnte ich auch einiges an Fotos machen, die natürlich aber von der Qualität her aufgrund der Ferne nicht die besten sind. Aber zumindest eine schöne Erinnerung. Leider hat sich gegen Ende meine SD-Karte im Handy geschrottet (und ich weiß immer noch nicht warum – es lässt sich nichts mehr an ihr machen). 

Setlist: Laughter in the Dark Tour

  1. Anata
  2. Michi
  3. Traveling
  4. Colors
  5. Prisoner of Love
  6. Kiss & Cry
  7. Sakura Drops
  8. Hikari
  9. Tomodachi
  10. Too Proud
  11. Chikai
  12. Manatsu no Tooriame
  13. Hanataba no Kimi ni
  14. Forevermore
  15. First Love
  16. Hatsukoi
  17. Play A Love Song
  18. Ore no Kanojo
  19. Automatic
  20. Goodbye Happiness

Das Konzert startet mit wenigen Minuten Verspätung. Die Musiker liefen auf die Bühne und wie die meisten erwartet ich, das Hikaru Utada ihnen folgen würde. Doch diese stand plötzlich in der Mitte der Bühne und begann schon mit dem Song Anata. Erstmal eine Gänsehaut für mich und beim zweiten Song Michi realisierte ich auch so langsam, dass das hier alles echt ist und ich gerade – nach all den Jahren – Hikaru Utada live erlebe.

Weiter ging es dann mit Traveling, einem Song, den ich persönlich auch sehr mag. Zwischenzeitlich wurde der Text des Liedes auf “Saitama Super Arena” umgedichtet, was natürlich einen tosenden Beifall hervor brachte. Zum vierten Song COLORS verwandelte sich auch die Bühne in ein buntes Farbenmeer.

Es folgte eine erste Talk-Session. Hikaru Utada begrüßte uns natürlich erst einmal und fragte, wer denn zum ersten Mal bei einem ihrer Konzerte ist. Es meldeten sich sehr viele und sie stellte auf der Bühne selbst fest, dass das ja logisch ist, weil sie so lange Zeit nichts gemacht hat. Aus dem Publikum ertönte derweil ein Okaeri-Ruf und Hikki antwortete lachend mit Tadaima. Sie sagte uns, dass sie sich freut zurück in der Saitama Super Arena zu sein, denn hier war sie zuletzt vor 12 Jahren gewesen. Bevor es dann weiter ging, erklärte sie uns noch die Regeln beim Fotos machen – bitte ohne Blitz und bitte auch nicht die Arme ausstrecken, damit man niemandem anderes die Sicht blockiert. Wir wollen schließlich alle unseren Spaß haben.

Prisoner of Love war der nächste Song und der gehört zu meinen absoluten Lieblingsliedern. Zuerst leuchtete die Bühne rot auf, verwandelte sich aber im Laufe des Songs in ein Farbenfeuerwerk. Als nächstes stimmte sie Kiss & Cry an. Ebenfalls ein toller Song.

Als nächstes wurde dann SAKURA Drops gespielt, ebenfalls einer ihrer vielen Nummer 1 Hits. Die Bühne wurde dabei in ein leichtes Rosa gefärbt und Hikki stand zwischenzeitlich selbst am kleinen Mischpult auf der Bühne.

Es folgte ein erneuter kurzer Talk, bei dem sich Hikaru Utada bedankte, dass wir uns in den Kampf um die Tickets gestürzt haben und uns an einem Wochentag die Zeit für ihr Konzert genommen haben.

Weiter ging es mit Hikari. Ich mag diesen Song sehr, doch kenne ich ihn in der englischen Version als Simple & Clean um einiges besser und hab daher immer die englischen Lyrics im Kopf. Ich habe mich aber sehr gefreut, diesen Song live erleben zu können.

Zu Tomodachi kam eine Tänzerin auf die Bühne, die Hikki neben den bunten Hintergrundbildern tänzerisch begleitetet. Nach dem Song stellte sie uns die Frau vor und sagte, dass sie im Musikvideo zu Forevermore dabei war. Darauf hin wurde auch entschieden, dass sie noch für ein weiteres Lied auf der Bühne tanzen würde.

Die Bühnendecke senkte sich ein Stück hinab und die Musiker verließen die Bühne. So waren bei Too Proud nur noch Hikki und die Tänzerin zu sehen. Gegen Ende des Songs verließ Hikaru Utada langsam die Bühne, so dass nur noch die Tänzerin zurück blieb, bis das Licht unter Beifall ausging.

Es folgte nach den ersten 10 Liedern eine kleine Pause, in der ein Kurzfilm gezeigt wurde. Dabei gab Hikaru Utada ein Interview, in dem es hauptsächlich um den Titel der Tour “Laughter in the Dark” ging. Dieser kommt von dem gleichnamigen Werk des russischen Autors Vladimir Nabokov, hat aber weniger mit dem Inhalt zu tun. Mit dem Titel will sie mehr “Humor während der Verzweiflung” (絶望のなかのユーモア) ausdrücken, wozu sie vom amerikanischen Stand-Up-Comedian Tig Notaro inspiriert wurde.

Das Gespräch ging eine ganze Weile, bis zu einer Stelle, wo Hikki sich über eine Aussage aufregte und dem Interviewer eine Glasflasche über den Kopf schlägt. Nun fing der lustige Teil an – wo wir beim Thema Komedie sind. Der Interview versteckt sich auf der Toilette, Hikki will sich entschuldigen und schlägt trotzdem eine weitere Flasche auf seinen Kopf. Und so passiert es immer wieder. Der Film war wirklich sehr lustig und eine nette Pause zwischendurch.

Mit Chikai ging es dann weiter. Hikaru Utada hat die Pause genutzt, um ihr Kleid zu wechseln und um zur Mittelbühne zu gelangen. Dort fanden auch die nächsten beiden balladenhaften Songs Manatsu no Tooriame und Hanataba wo Kimi ni statt. Vor allem letzteres hat mir sehr gefallen. Zum Instrumental des Liedes lief Hikki durch das Publikum zurück zur Hauptbühne, wo sie im Anschluss Forevermore sang.

Es folgte ein weiterer Talk, doch Hikaru Utada schien selbst nicht ganz zu wissen, was sie sagen will. Mir kam es ehrlich gesagt vor, dass sie nicht so die große Rednerin vor viel Publikum und eher schüchtern ist. Sie blickte in ihrem Gespräch zurück auf ihre Karriere und ihr Leben. Sie hat so einige Probleme, zum Beispiel ist sie sehr empfindlich auf Blitzlicht und da hat sie natürlich gefragt, ob sie ihren Beruf so überhaupt weiter machen kann. Klappt das alles so auf der Bühne?

Sie bedankte sich, für die 20 Jahre. Sie sei sehr froh hier sein zu dürfen und sprach abermals ihren Dank an ihre Fans aus.

Mit First Love nahm sie uns nun mit in ihre Anfangsjahre und mich zu dem ersten Song, den ich je von ihr gehört habe. Und durch den ich sie lieben gelernt habe. Es war auch der erste Song, den ich je live vor richtigem Publikum – damals bei einer Schulveranstaltung – gesungen habe. Der Song hat also auch für mich eine sehr große Bedeutung. Und so musste ich, als ich Hikki da im Nebel auf der großen Bühne vor mir stehend sah, nun doch ein wenig weinen.

Weiter ging es mit Hatsukoi, einem ihrer neuern Songs. Nach großem Beifall kündigte Hikaru Utada dann den letzten Song an: Play A Love Song. Die Bühne verwandelte sich noch einmal in ein regenbogenfarbenes Feuerwerk und Hikki verschwand leise von der Bühne.

Beim Warten auf die Zugabe schalteten viele Leute im Publikum das Licht ihrer Handys an und zauberten ein Lichtermeer in die Saitama Super Arena. Natürlich wurde aber kurz vor Beginn gebeten die Lichter wieder auszuschalten.

Als ersten Song der Zugabe sang Hikaru Utada Ore no Kanojo – und ja, ich habe angefangen diesen Song zu lieben. Auch weil er total anders ist und trotz dessen, dass sie darin Französisch singt. Es hat mich so sehr gefreut, dass sie ausgerechnet diesen Song zur Zugabe gewählt hat.

Nach dem Song stellt Hikki ihre Band vor. Mich hat es erstaunt, dass dies alles ausländische Musiker waren. Auch bei den Streichern, die im hinteren rechten Teil der Bühne spielten, wurde sich bedankt.

Mit Automatic ging es noch einmal zurück in die Vergangenheit und der Song hat wirklich sehr viel Spaß gemacht. Es folgte ein sehr langer Beifall. Hikaru Utada scheint dabei ein paar Tränchen in den Augen zu haben.

Mit Danksagungen an alle Leute hinter der Bühne und alle, die an dem Kurzfilm mitgearbeitet haben, neigte sich der Konzertabend dem Ende. Beim letzten Song Goodbye Happiness verwandelte sich der Bühnenhintergrund noch einmal in ein unendliches Universum, in dem Hikaru Utada zum Schluss verschwand.

Das Konzert war wirklich sehr schön und ich bin glücklich, dass ich Hikaru Utada einmal live erleben konnte. Allerdings hat mir aber auch irgendetwas gefehlt. Ich glaube ein wenig mehr “Action”, denn ich bin vor allem von den vielen Ayumi Hamasaki Konzerten, die ich schon besucht habe, sehr viel mehr auf der Bühne gewohnt.

Hikaru Utada ist in der Hinsicht mehr eine Sängerin, die mit ihren Songs und ihrer Stimme verzaubert und keine Performerin mit viel Klimbim drum herum – was auch zu den meisten ihrer Songs gar nicht passen würde. Aber auch genau das macht sie zu dem was sie ist.


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