[Deutschland 2018] Mit meinem japanischen Mann im Urlaub

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Mein Mann und ich kennen uns nun bereits seit über 10 Jahren. Ich war bis zu meiner Auswanderung mehrere Male in Japan – er allerdings nur zwei Mal in Deutschland. Einmal über Neujahr 2014/15 und zu unserer Hochzeit im Sommer 2016. Nun, zwei Jahre später im Sommer 2018, sind wir das erste Mal zusammen nach Deutschland gereist. Und bevor es für mich allein bald wieder nach Deutschland geht, möchte ich heute mit euch endlich ein paar Erlebnisse und Erfahrungen teilen.

Für mich hieß es im Sommer 2018 fast drei Wochen Deutschlandurlaub (unbezahlt, denn wenn ich nicht arbeite, bekomme ich auch kein Geld). Da Japaner in Festanstellung kaum Urlaub haben, blieb mein Mann nur ein paar Tage. Darüber gab es bei uns schon vor der Flugbuchung Diskussion. Wir entschieden uns am 1. August zu fliegen, ein Mittwoch, an dem wir spät abends in meinem Elternhaus ankommen. Mein Mann wollte dann schon am Montag den Rückflug antreten, denn länger könne er es seinen Arbeitskollegen nicht zumuten abwesend zu sein. Als Deutsche, die früher 6 Wochen Jahresurlaub hatte und immer 3 Wochen am Stück für ihren Japan-Urlaub genommen hat, ist das kaum nachvollziehbar.

Ich erklärte meinem Mann, dass die vier effektiven Tage in Deutschland eigentlich sinnlos sind und nach einigen Diskussionen konnte ich ihn zumindest überreden bis Dienstag zu bleiben. Warum er trotzdem nicht wie geplant am Donnerstag zur Arbeit konnte, erfahrt ihr später.

Mein Mann, der Omiyage-König

In Japan bringt man von Reisen kleine Geschenke für Familie, Freunde und sogar Arbeitskollegen mit. Dies nennt sich Omiyage (お土産). Da mein Mann meine Familie und Freunde ja von der Hochzeit kennt, musste natürlich auch für jeden etwas mitgebracht werden (das macht er übrigens auch immer, wenn deutsche Freunde nach Japan kommen). Ich kümmerte mich um die spezifischen Wünsche – bestimmte Essstäbchen, Teetasse und Tee usw. Mein Mann kaufte mal wieder jede Menge Süßkram, den ich dann auf die unterschiedlichen Geschenktüten verteilte.

Der Koffer war aber nicht nur hinwärts mit Geschenken voll, sondern auch auf dem Weg zurück. Schließlich musste er seinen Kollegen als Entschädigung ja auch etwas mitbringen – und das war jede Menge. Im Supermarkt kaufte er unzählige Fertigkuchen und Waffeltüten von Manner. Ich würde zu gern wissen, wie die Kuchen nach der Reise aussahen, aber da mein Mann vor mir heimkehrte, konnte ich das leider nicht sehen. Auf jeden Fall nahmen die Kuchen jede Menge Platz und Freigewichtmenge ein.

Auch für seine Familie haben wir natürlich etwas gekauft. Für diese gab es auch Waffeln – wollte mein Mann unbedingt haben. Meine Schwiegermama wünschte sich ein Kinderbuch für ihr Enkel (das Kind der Schwester meines Mannes). Eigentlich sollte es ein bilderreiches Buch mit Märchen der Gebrüder Grimm sein, doch sowas fanden wir bei unserer Suche in der Buchhandlung nicht. Nur Vorlesebücher und die passten nicht, da sie ja kein Deutsch können. Als Ersatz entschieden wir uns für ein paar kleine Bücher mit Tieren. Zudem suchte mein Mann noch eine Postkarte von Jena aus.

Natürlich habe ich auch einiges gekauft, aber dazu wird es eventuell mal einen extra Artikel oder ein Video auf meinem YouTube-Kanal geben.

Unterwegs mit meinem Mann in der Heimat

Wie gesagt, hatten wir mit meinem Mann nicht allzu viel Zeit Dinge zu unternehmen, weshalb die wenigen Tage natürlich ziemlich vollgestopft waren. Allerdings gönnten wir uns am Donnerstag nach unserer Ankunft erst einmal einen freien Vormittag – um den Jetlag zu verarbeiten, nach der langen Reise über Korea endlich zu Duschen und die Koffer auszuräumen.

Da es sich zeitlich nicht anders ergab, fuhren wir mit meiner Mutti am Nachmittag im Globus einkaufen. Wir waren bereits das letzte Mal in dem riesigen Supermarkt und mein Mann hat damals jede Menge Fotos gemacht, weil er das so nicht kannte. Allerdings kam dann die Chefin und vermutete Betriebsspionage. Ich klärte das natürlich auf, mein Mann war aber trotzdem erst einmal geschockt. Dieses Mal ging es ohne Fotos, aber wieder mit Staunen über so manch günstige Preise für Käse, Obst und anders. Für 2,49 Euro kaufte ich eine Wassermelone – für die selbe Größe hatte ich ein paar Wochen zuvor in Japan 12 Euro bezahlt.

Am Abend ging es mit meinen Eltern und Freunden der Familie zum Bowling inklusive Abendessen. Wir hatten sehr viel Spaß und das Essen war wirklich sehr lecker.

Den Freitag verbrachten wir in Jena – da ich in einem kleinen Dorf in der Nähe wohne, ist das meine Heimatmetropole. Nach dem bereits erwähnten Besuch im Buchladen gingen wir zu meinem alten Arbeitsplatz. Leider war gerade Urlaubszeit und Freitagmittag fast alle auf den Sprung nach Hause. Trotzdem konnte ich kurz mit meinem Mann Hallo sagen und unsere Omiyage abgeben. Ein längeres Treffen mit meinen Kollegen war nach der Rückkehr meines Mannes geplant.

Der nächste Stopp war das JEN – Japanische Ramen Küche, wo eigentlich die Chefin meinen Mann kennenlernen wollte. Leider hatten wir uns zeitlich verfehlt, wir konnten aber am Ende noch einen kurzen Plausch mit ihr halten. Ich gehe mit meinem Mann in Deutschland eigentlich immer einmal japanisch essen, weil er sich sehr für Essen interessiert und auf die Unterschiede gespannt ist. Das JEN hat ihm gut gefallen, nur ist er erst einmal auf das asiatische Aussehen der Bedienung herein gefallen. Die Bestellung auf Japanisch klappte also nicht, dafür hörten wir dann aus der Küche Japanisch und als der Koch dann die Ramen brachte, kam eine japanische Floskel zurück.

Wir besuchten dann meine Freundin (die auch schon mit Ramen essen war) zuhause und verbrachten dort einiges an Zeit bis es am Abend zum großen Freundestreffen mit etwa 15 Leuten zum Griechen ging. Ein wunderschöner Abschluss zu einem Abend voller Essen.

Den Samstag verbrachten wir vorwiegend bei uns zuhause und schliefen erstmal aus. Gegen Mittag besuchten wir meine Oma, um unser Beileid auszurichten, denn mein Opa war wenige Wochen vor unserer Deutschland-Reise verstorben.

Für den Nachmittag und Abend war eine Gartenparty mit den Freunden der Familie geplant. Es wurde gegrillt, Dart gespielt, im Pool geplantscht und viel mehr. Das hieß natürlich auch noch einiges an Vorbereitung (Salate machen, Spieße fertigen, aufbauen, etc.), aber auch das war ein wirklich schöner Tag.

Mein Vati raucht leider recht viel und so müssen wir immer mal wieder Zigaretten holen. Das machen wir in Tschechien – direkt an der Grenze. Da mein Mann da war, haben meine Eltern es natürlich gleich genutzt für vier Personen Einkaufen zu können. Für meinen Mann war es eher interessant, das dortige Essen auszuprobieren, so gab es für ihn Gulasch und Knödel. Ich hielt mich am Hähnchencordonbleu.

Von dort aus ging es direkt nach Saalfeld in die Feengrotten. Ich war dort seit der Klassenfahrt in der 5. oder 6. Klasse nicht mehr und da meinem Mann die Tropfsteinhöhle auf Okinawa so gefallen hat, habe ich gedacht, dass das gut passt. Da meine Eltern dort auch ewig nicht mehr waren, kamen sie mit.

Die Grotten mit der Führung sind wirklich toll und ich habe für meinen Mann fleißig übersetzt. Ein schöner Ausflug, den wir mit Besuch im Restaurant, in dem wir zur Hochzeit Mittag aßen, abgeschlossen haben.

Der letzte vollständige Tag meines Mannes brachte uns nach Leipzig. Dort trafen wir uns mit Sandra und ihrer Mutti, die wir auch schon öfter in Japan zusammen getroffen haben. Und weil das mit den Muttis so gut passte, haben wir meine auch noch mitgenommen. Unser Ziel war der Leipziger Zoo, der aufgrund der Ferien und des guten Wetters natürlich gut gefüllt war. Trotzdem hat es sich irgendwie verlaufen.

Wir waren im Gondwanaland, machten dort die Bootsfahrt mit und erkundeten den Zoo noch weiter. Leider hatten sich einige Tiere aufgrund der Hitze verkrochen. Am Abend gab es dann noch eine kleine Abschiedsfeier für meinen Mann.

Der chaotische Rückflug

So toll alles die Tage geklappt hatte, so chaotischer wurde der Rückflug meines Mannes. Mit meiner Mutti fuhren wir nach Frankfurt, was etwa drei Stunden dauert. Mutti und ich teilten uns beim Fahren ein. Und dann kam es im Radio: der Flughafen in Frankfurt teilweise gesperrt, weil jemand durch die Sicherheitsabsperrung ohne Kontrolle ist. Chaos am Flughafen. Flüge haben Verspätung oder fallen ganz aus.

Wir machten uns auf das Schlimmste gefasst und als wir in Frankfurt ankamen, war alles hoffnungslos überfüllt. Mein Mann hatte Glück. Sein Flug wurde nur um 30 Minuten verschoben. Wir machten noch eine teure Pause im Cafe, bis wir uns beim Sicherheitscheck anstellten. Kurz bevor er dran kam das nächste: herrenloser Koffer vor der Kontrolle. Auch hier hatte er nochmal Glück. Erst zwei Personen nach ihm, wurde der Bereich abgesperrt und alle dahinter mussten sich an der langen Schlange am anderen Schalter anstellen.

Wir fuhren nach Hause. Am nächsten Morgen hatte das Glück meinen Mann verlassen. Ich bekam die Nachricht, dass er in Korea gestrandet war. Aus seinem eh schon langen 8-Stunden-Aufenthalt dort sollten 20 Stunden werden, denn über Tokyo wehte ein Taifun und sein Flug wurde von Abends 20 Uhr auf morgens 8 Uhr verschoben. Er verbrachte die Nacht auf dem Flughafen und sagte bei seiner Arbeit bescheid, dass er nicht kommen konnte.

So hatten wir uns das Ende seiner Deutschlandreise natürlich nicht vorgestellt. Aber trotzdem hatte er zumindest eine schöne Zeit in meiner Heimat. Ich blieb noch zwei Wochen bevor es auch für mich wieder nach Japan zurück ging.


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